28.01.2006 Bayer 04 - SGE (2:1)

Ich habe mich verliebt! Nein, nicht in die neue Verkäuferin meiner Stamm-Dönerbude. Auch nicht in eine Dame aus der Lindenstrasse, dem Playboy oder gar eine dieser Ladies, die mein Email-Postfach immer schön zumüllen wegen einer Viagra-Bestellung oder wegen Erektionsproblemen. Erst recht nicht in Leverkusen, auch wenn die mir immer schön artig den neuesten Fankatalog zuschicken, weil ich da öfters mal Karten bestelle oder gar in deren Fans, die zu Spielbeginn eine recht gelungene Choreo produziert haben. Hätte man dem Arbeitskreis Stimmung der Bayer AG gar nicht zugetraut. Waren halt nur die falschen Vereine. Schon eher in die Riesen-Krakauer aus dem Stadionimbiss, aber das ist ein anderes Thema.

Die Eintracht ist es nicht, das ist dann eher eine intensivere Zuneigung in einem Stadium, in dem man sich wohl nach einer 25-jährigen Ehe befindet. Es ist auch nicht der Herr Zielinski, auch wenn dieser herzensgute und stets freundliche Mensch ständig von seinem Hintermann angepöbelt wurde, der sich für das Spiel mal eine kurze Auszeit von seiner Stamm-Trinkhalle genommen hatte. In seiner unnachahmlichen Art wurden hier schnell die Fronten geklärt, was die Sitznachbarn zu erheblichem Respekt veranlasste. Nein, ich fahre immer noch auf dem richtigen Ufer, aber auch das muss mal gesagt werden.

Nein, es ist eine Dame mit dem Namen Birgit Prinz. Mit welcher Grazie und Anmut sie den Abend rettete nach der unnötigen und vermeidbaren Niederlage gegen die Pillendreher. Mit Ihren feingliedrigen Fingern spielte sie mit den Bällen (an dieser Stelle soll der Bericht ausdrücklich nicht abgleiten) und sie drehten sich immer schneller, so dass einem ganz warm ums Herz wurde. Wir sehen, dass in dem Maße, als, in der organischen Welt, die Reflexion dunkler und schwächer wird, die Grazie darin immer strahlender und herrschender hervortritt. Wesen, die Grazie, Anmut, Schönheit, Stärke, Kraft, Geschmeidigkeit und Gefährlichkeit vereinen, werden schon seit Jahrtausenden verehrt. Früh erkannte man sie als faszinierende Geschöpfe, die nahezu perfekt sind. Und in dieser Perfektion wurden die ersten beiden Bälle aus Ihrer schimmernden Verpackung geholt. Im gleißenden Schweinwerferlicht leuchtete: St. Pauli gegen Bayern. Mit der Eleganz und Dynamik eines Panthers wollte ich in den Fernseher hüpfen und dieses zarte Geschöpf liebkosen und in meinen starken Armen nach Frankfurt zurück tragen. Als nächstes: Eintracht Frankfurt gegen Bielfeld. Der Ohnmacht nahe riss ich mir die Kleider vom Leib und lief durch den Ort, durch die ganze Stadt. Heimspiel im Halbfinale, die Erfüllung meines größten Traums, Europapokal mit der Eintracht, rückt in greifbare Nähe. Birgit per sempre!

05.03.2006 SGE - BSG VW Wolfsburg (1:1 26000 Zuschauer)

Im dreiundvierzigsten Jahr am fünften Tage des dritten Monats, als ich unter den Weggefährten am Fluss Main war, tat sich der Himmel auf, und Gott zeigte mir Gesichte. Da geschah das Wort des HERRN zu Hesekiel, und ich sah, es kam ein ungestümer Wind von Norden her, eine mächtige Wolke und loderndes Feuer, und Glanz war rings um sie her, und mitten im Feuer war es wie blinkendes Kupfer. Und mitten darin war etwas wie elf Gestalten; die waren anzusehen wie Menschen. Und ihre Beine standen gerade, und ihre Füße waren wie Stierfüße und glänzten wie blinkendes, glattes Kupfer. Und sie hatten Menschenhände unter ihren Flügeln an ihren vier Seiten, ihre Flügel berührten einer den andern. Ihre Angesichter waren vorn gleich einem Menschen und zur rechten Seite gleich einem Löwen bei allen vieren und zur linken Seite gleich einem Stier bei allen vieren und hinten gleich einem Adler bei allen vieren. Immer gingen sie in der Richtung eines ihrer Angesichter; wohin der Geist sie trieb, dahin gingen sie; sie brauchten sich im Gehen nicht umzuwenden. Und in der Mitte zwischen den Gestalten sah es aus, wie wenn feurige Kohlen brennen, und wie Fackeln, die zwischen den Gestalten hin und her fuhren. Das Feuer leuchtete und aus dem Feuer kamen Blitze.

Und der HERR rief mit lauter Stimme vor meinen Ohren und sprach: Gekommen ist die Heimsuchung der Stadt Wolfsburg; ein jeder habe sein Werkzeug zur Zerstörung in seiner Hand! Und siehe, da kamen elf Männer auf dem Wege vom oberen Tor her, das gegen Norden liegt, und jeder hatte ein Werkzeug zum Zerschlagen in seiner Hand. Aber es war einer unter ihnen, der hatte ein Kleid von Leinwand an und ein Gewerk aus Leder an der Seite. Und sie kamen heran und traten neben den kupfernen Altar. Und die Herrlichkeit des Gottes Israels erhob sich, und der HERR rief dem, der das Kleid von Leinwand anhatte und das Leder an der Seite, und sprach zu ihm: Geh durch die Stadt Frankfurt und zeichne mit einem Zeichen an der Stirn die Leute, die da seufzen und jammern über alle Gräuel, die darin geschehen. Gehe hin und bringe das Leder unter im Tor des kupfernen Altars und schütte meinen Zorn aus über Frankfurt.

Und es begab sich am sechsten Tag des dritten Monats. Ich saß in meinem Hause und die Ältesten von Hopp Hard saßen vor mir. Da fiel die Hand des Verlegers auf mich. Und ich sah, und siehe, da war eine Gestalt wie ein Mann, und abwärts von dem, was wie seine Hüften aussah, war es wie Feuer, aber oberhalb seiner Hüften war ein Glanz zu sehen wie blinkendes Kupfer. Und er streckte etwas wie eine Hand aus und ergriff mich bei dem Haar meines Hauptes. Da führte mich der Geist fort zwischen Himmel und Erde und brachte mich nach Jerusalem in göttlichen Gesichten zu dem Eingang des inneren Tores. Und du mein Sohn schreibst den Wolfsburg-Bericht! Schönen Dank.....

12.03.2006 Schalke 04 - SGE (2:0)

Da sitz ich nun in dieser Turnhalle und muss mir anschauen wie die kaum bessere Mannschaft 3 Punkte einfährt und trotzdem bescheidene Atmo in der Heimkurve. Habe grad das Gefühl, alles schon mal erlebt zu haben. Was habe ich falsch gemacht? Habe ich in meiner Jugend eventuell mal meinen Teller nicht leer gegessen? Wohl kaum. Oder habe ich alten Leuten mal nicht über die Straße geholfen? Auch nicht, ich fahre meistens Auto. Vielleicht habe ich auch mal einen Kettenbrief nicht weitergeleitet? Das schon eher.

Da gab es mal diesen einen, ursprünglich wurde dieser Brief von einem Kamelhirten in Sibirien erdacht. Daran sieht man wie alt er ist. Denn wie wir alle wissen, leben Kamelhirten in Sibirien schon lange, lange Zeit nicht mehr. Der Sinn des Briefes ist damals leider, mit dem Originalpergament, verloren gegangen. Der Zweck war aber sicher ein Wichtiger. Willst du Glück im Leben haben, musst du diesen Brief 400 Mal im Originalwortlaut abschreiben. Also nicht kopieren, sondern wirklich schreiben. Dann musst du eine Vollmondnacht abwarten. Um Mitternacht, genau, wenn der Vollmond so richtig voll ist, musst du deinen örtlichen Friedhof aufsuchen und dich nackig ausziehen.

Dann schmierst du deinen ganzen Körper mit Senf ein und musst auf den Händen gehend 4 Runden um den Friedhof zurücklegen. Ok.. wer nun in einer großen Stadt mit einem großen Friedhof lebt, hat Pech gehabt. Du wirst sehen, dass in weiterer Folge nette Antwortschreiben mit anerkennenden Worten zu dir zurückkommen. (alleine schon deshalb weil es ja eine Auflage im Brief ist). Außerdem kannst du mit diesen Schreiben deine Freunde selektieren. Eine Antwort mit: "Hey Alter, behalt dir deinen Scheiß und belästige mich nicht mehr" lässt darauf schließen, dass es nicht einer deiner 400 besten Freunde ist, wie du bislang geglaubt hast. Und was macht einen glücklicher als zu wissen, wer ein wirklicher Freund ist.

Vielleicht war es also doch ein Fehler. Meine Strafe nun, dass ich zusehen muss wie die Eintracht immer tiefer in den Abwärtsstrudel gerät. Die Spiele in den letzten Wochen liefen immer nach dem gleichen Modus. Das einzig positive war, dass ich erkannt habe, dass Schirmi und ich eine große Zukunft als Fensterputzer haben und das Sushi nur was für echte Männer ist.

08.04.2006 Bielefeld - SGE (1:0 - Alm, 22998 Zuschauer)

Stellt euch doch mal vor, ihr würdet euch jetzt in ein Auto setzen und einfach so losfahren - natürlich weiß ich, dass der Papi euch das verboten hat, aber wir spielen ja nur - ihr sitzt also am Steuer von Papis neuem Gefährt und tretet das Gaspedal, wenn ihr jetzt gaaaaanz gaaaaaanz lange fahrt, dann kommt irgendwann Bielefeld, könnt ihr gar nicht verfehlen, immer dem Geruch nach. Wenn ihr euch jetzt nicht von dem ganzen Dreck und den toten Tieren an der Straße abhalten lasst und immer weiterfahrt, dann kommt irgendwann ein Schild, wo Bielefeld draufsteht. Herzlich Willkommen, der Arsch der Welt.

Wie in so vielen Orten am Arsch der Welt spielt man auch hier Fußball, auch der kleine Fatmir tut das. Während man bei Fatmir zuhause als Ball noch zusammengewickelte Kleidungsstücke verwendet, kann er hier schon mit echten Lederbällen spielen. Ist aber trotzdem schwer, wenn man früher beim Spielen immer als letzter gewählt worden ist und man grade mal so groß ist, das man über die Tischkante schauen kann, sich auch in dieser Umgebung durchzusetzen. Da leidet schon mal das Selbstbewusstsein. Eigentlich ist die Arminia eine ganz anständige Truppe, aber dieser albanische Ziegenhirte gehört nicht zu meinen Lieblingsfußballern. Ich erinnere mich an ein Spiel gegen den HSV: er mimt mehrfach den sterbenden Schwan um gelb zu provozieren und bekommt dann irgendwann straffrei von Boulahrouz die Knochen poliert. Da hab ich innerlich und äußerlich Beifall geklatscht. Schuld sind natürlich immer die anderen und wild gestikulierend wird sich beim Schiri und bei Amnesty International beschwert. Auch heute hat er es wieder probiert, der Schiri ist glücklicherweise wenig drauf reingefallen, Friedhelm wird seine Buben aber sicherlich vorgewarnt haben. Leider ging es trotzdem ohne Erfolg zurück in die Heimat obwohl man mit 7 fehlenden Stammspielern sicherlich nicht schlechter war. Hoffentlich wird dieser Aufwand unserer Truppe am Ende der Saison belohnt und nicht dieser Anti-Fußball à la Wolfsburg oder VFB.

Nun wisst ihr also ganz grob, was Bielefeld ist, außer Fußball gibt's da nicht viel. Ich denke nicht, dass ihr noch einmal dort hin zurück wollt, aber wenn doch, dann erwartet nicht zu viel. Witze über Bielefeld sind natürlich erlaubt, dafür ist die Stadt geradezu prädestiniert. Und bitte sagt dem Papi nicht, dass ich gesagt hab, dass ihr Auto fahren sollt.


 

Aktualisiert am
13.05.2017
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