15.11.2008 Borussia Dortmund - SGE 4:0 (Westfalenstadion, 72.200 Zuschauer)

Glücklich sein inspiriert mich nicht. Wie gerne würde ich mal wieder etwas Großes schreiben, etwas mit Gefühl, wo den Leser Mitleidsschauer überlaufen, man mich in den Arm nehmen und trösten möchte... aber nein, mir geht es gut. Ich sitze hier und versuche, mich in Jammerstimmung zu bringen, um ein paar tiefschwarze Zeilen in die Tastatur zu hauen. Wäre ich unglücklich, könnte ich in einer Kneipe sitzen, den x-ten Schoppen trinken und den Bierdeckel mit melancholischen Versen verzieren, von Kneipe zu Kneipe kriechen und immer tiefer versinken in Selbstmitleid. Allein und einsam sein wie der sprichwörtliche Wolf der durch die Straßen streunt auf der Suche nach Licht, Liebe und Wärme. Missverstanden selbst von den besten Freunden.

Glücklich sein ist ja nett, aber furchtbar banal. Nichts zu heulen, kein Liebeskummer: Totaler Mangel an Ideen. Traurig sein gibt da schon mehr her, vor allem wenn man verlassen wurde. Über schwere Regenwolken kann man dann schreiben, über die Einsamkeit, das Gefühl der Leere, über nebelverhangene Landschaften, die die eigene Seele widerspiegeln. Aber wer will schon hören, dass es in meinem Garten blüht und duftet, die Sonne scheint, der Himmel blau ist, das Leben im Allgemeinen und im Speziellen in bester Ordnung? Niemand. Das ist kitschig und langweilt den Leser. Wahre Emotionen sind dramatisch... Deshalb bin ich auch zutiefst dankbar, das ich den Spielbericht von einem solchen Knallerspiel schreiben darf. And the oscar goes to: Mankelinho a.k.a. Ernährungsberater!

Ich danke Herrn Ingo Braun, dass ich die Worte „Ich kann nicht“ aus meinem Vokabular streichen kann.
Ich danke dem Rest der Redaktion, dass ich diesen Spielbericht schreiben darf, obwohl es alle machen wollten. So viele Leute haben das die ganze Woche lang für mich gewünscht. Wisst ihr, ich bin die Straße runtergegangen und die Leute sagen was zu mir. Ich gehe zum Arzt, ich gehe irgendwohin, ich stehe im Fahrstuhl - und die Leute sagen: „Schreib!“. Dank auch an die, die von lustigen Geschichten vom Umsteigen in Köln erzählt haben, die man sich später wahrscheinlich an allen Lagerfeuern erzählen wird.
Ich danke unseren Magiern für die grandiose Inspiration in Dortmund und bin immer noch fasziniert von der Leistung, Fußball war es allerdings nicht. Außerdem auch dem BVB, der es wieder mal geschafft hat, zu viele Karten im Stehblock zu verkaufen und so für eine wohlige Atmosphäre gesorgt hat.
Ich danke meiner Familie für ihre immerwährende Unterstützung und ich danke Gott für diesen Moment in meinem Leben und möchte ihn mitnehmen ins nächste.

Ich könnte mir vorstellen, ein paar ergreifende Zeilen zu Papier zu bringen, Worte, die den Leser rühren und ihn mitfühlen lassen. Aber das sind ja gefälschte Gefühle, das würde bestimmt nicht funktionieren. Wahrscheinlich fehlte da das tiefe innere Leid und alles wirkte wie ausgedacht. Das Leben ist schön!


02.11.2008 Borussia M´Gladbach – SGE 1:2 (Borussia-Park, 44.773 Zuschauer)

Ich sehe was, das du nicht siehst. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, so aufgeregt bin ich immer noch. Vor einigen Tagen habe ich eine tolle Sendung gesehen, es war um 22.00 Uhr. Es begann mit einem atmosphärischen Gong und dann verkündete eine Stimme aus dem Hintergrund, es sei 22.00 Uhr und hier sei die Tagesschau. Eine wunderschöne blonde Frau verlas die Nachrichten des Tages und es gab sogar Berichte mit Kommentaren. Ich habe mir gleich meinen Notizblock geschnappt, um alles aufzuschreiben, damit ich hier davon berichten kann und dabei nichts vergesse. Vielleicht hat ja jemand die Sendung nicht gesehen... Als ich mal pinkeln musste, habe ich auf die Werbepausen gewartet, die ich von "DSDS" und "Popstars" gewohnt bin. Aber unglaublicherweise gab es keine Werbeunterbrechung. Aber ich habe ja eine große Blase...

Ein bisschen befremdlich fand ich es schon, dass nichts mehr von Mark Medlock und Dieter Bohlen kam, aber auch so war genug Abwechslung. Ich wusste gar nicht, dass wir gerade eine Finanzkrise haben. Obwohl ich da eigentlich nur meine Kontoauszüge anschauen müsste. Na ja, Geld ist nicht alles im Leben. Am Ende kam sogar vor dem Wetterbericht noch ein Sportteil. Und da kam es dann: die Eintracht gewinnt 2:1 in Gladbach. Mit Bildern ! Doch die Bilder konnten nicht annähernd die Dramatik des Spiels fassen. Zugegeben war der Gegner nicht gerade besonders stark und selbstbewusst, aber man kann auch nicht immer erwarten, das sich Spiele drehen lassen. Gladbach war anfangs harmlos, da musste sich Russ schon selbst ums Gegentor kümmern. Und wieder haben die Magier das Ding gerissen, auch wenn man irgendwie immer gefürchtet hat, das wieder so ein Lapsus passiert wie beim Gegentor, denn auch Gladbach kann mit Verzweiflung anrennen... Ging aber gut, Resultat waren 3 frische Punkte und eine der geilsten Partys seit langem auf der Tribüne. Ich liebe es, wenn ein fast verlorenes Spiel wie am Sonntag am Niederrhein noch kippt. Wenn die plötzliche innere Spannung des Spiels sich hochverdichtet in dramatische Minuten der Wende. Danke Ümit, Martin und Michael, kauft euch meinetwegen noch ein Auto und legt es wieder aufs Dach oder fackelt die Wohnung beim Grillen ab. Das rettet Arbeitsplätze. Auch bei der Zuliefererindustrie, oder bei der Feuerwehr.

Wenn es nicht schon Sonntagabend gewesen wäre und morgen wieder Arbeit ansteht, wäre das eigentlich der passende Zeitpunkt gewesen, die Becksteinsche These zu überprüfen, ob man mit 2 Maß noch Auto fahren kann. Das Beste insgesamt war aber, als die schöne Sprecherin sagte, die nächste "Tagesschau" gebe es schon wenige Stunden später, hoffentlich wieder mit der Eintracht. Die Sendung kommt anscheinend jeden Tag. Vielleicht mache ich eine 365-teilige Serie daraus... oder ich programmiere den Videorecorder.


25.10.2008 Energie Cottbus – SGE 2:3 (Stadion der Freundschaft, 13.294 Zuschauer)

Nachdem die ursprünglich geplante Cottbus-Polen-Combo zum Super-Special-Tarif ausfallen musste, da der DFL-Spielplangestalter so ziemlich alles falsch gemacht hat, ging es früh morgens im Auto mit den Braun-Brothers Richtung Osten. Wenn man schon mal ein Freitags- oder Sonntagsspiel gebrauchen kann... Eigentlich unerträglich, genauso wie der Wecker, der mich fast mitten in der Nacht geweckt hat. Und dann auch noch ohne vernünftiges Frühstück oder Kaffee.

Wenn man etwas unerträglich findet, kann man entweder ganz fürchterlich darunter leiden, man kann es verdrängen, oder man benennt es einfach um. So hat ein großes Land, ein mächtiges Land, den Hunger abgeschafft. Da hat man einfach gesagt, die Menschen in unserem Land leiden nicht unter Armut, sie leiden nicht unter Hunger, sondern: Sie leiden lediglich unter “Nahrungsmittelunsicherheit”. Ein Knaller ! Schön. Ich finde das ganz großartig, denn damit lassen sich doch noch viel, viel mehr Probleme lösen. Ich habe mir also ein paar Gedanken gemacht, wie ich den Menschen um mich herum das Leben etwas einfacher gestalten könnte.
So ist z.B. der Familienvater, dessen Frau so oft, auch bei Regen, mit der Sonnenbrille rumläuft, nicht Langzeitarbeitsloser, sondern: “Potenziell zur Verfügung stehender Bruttosozialproduktmanager.” Oder Rechtsextremismus: “Seitwärts gelagertes Ausleben ideologischer Phantasien, mit gesteigertem Zusammengehörigkeitsgefühl” (Könnte fast auch für Sexualstraftäter gelten). Oder noch was: die Klimakatastrophe: “Vorgezogener Winterschlussverkauf”, Häusliche Gewalt: “Rückkehr zu alten Werten” So könnte man sicherlich noch viel mehr finden. Machen wir uns doch die Welt wie wir sie haben wollen, anstatt andauernd darüber zu jammern. Passt auch wunderbar auf unsere Eintracht.

So kann man einen miesen Rübenkick auch ein „von der Taktik geprägtes Spiel“ nennen. Oder das Defensivverhalten unserer Mannschaft „suboptimal“. Ich kann jedenfalls nicht kapieren, warum wir erst mit dem Rücken zur Wand stehen müssen, um dann ein Spiel mit dem Mut der Verzweiflung umdrehen zu müssen. Schön wenn’s klappt, geht sicher aber auch anders. Vielleicht habe ich aber auch ein „Durchblicksdefizit“... Krass in jedem Fall heute, dass ein Teil der UF nach einer Viertelstunde den Block verlassen hat, weil sich die Mitteilung breit gemacht hat, dass einer Ihrer Kumpels in der Nacht vorm Spiel erstochen wurde. Hut ab, vor diesem Charakter. Charakter hätte ich mir zumindest in der 1. Halbzeit auf dem Rasen gewünscht, aber da ging's ja grad noch mal gut... R.I.P. Carsten.



20.09.2008 Schalke 04 – SGE 1:0 (Turnhalle Gelsenkirchen, 61.542 Zuschauer)

Als Bewohner einer multikulturellen Metropole ist mein Bezug zur Natur bzw. Wildnis nicht gerade üppig ausgeprägt. Mein Motto lautet: Die Wildnis ruft, lass sie schreien ! Welcher normale Stadtmensch des 21. Jahrhunderts weiß noch welche Wurzeln und Pilze man gefahrlos essen kann... und das mehrmals? Man stelle sich vor, das Feuer für eine Zigarette durch schweißtreibendes Reiben eines Stocks auf einem Stück Holz zu erzeugen... schrecklich. Fähigkeiten die unseren Vorfahren aus der Bronzezeit noch so alltäglich waren, wie uns das Programmieren des Videorecorders, sind heute einfach nicht mehr in. Obwohl der Videorecorder auch schon fast nicht mehr in ist... Trotzdem gibt es mehr und mehr Leute, die ihren kostbaren Jahresurlaub damit verbringen, auf dem nackten Boden zu schlafen, Feuerholz zu sammeln und Dinge zu fressen, die man am Besten mit einem starken Insektenspray vernichten sollte. Ich gebe zu, dass ich Leute bewundere, die einen Mistkäfer in heißer Asche rösten und diesen dann genüsslich kauend essen. „Du, die sind herrlich crunchy und schmecken irgendwie nach Nuss !“ erzählte mir mal so ein freiwilliger Waldmensch nach einer Erfahrungswoche irgendwo in Österreich. Ich bevorzuge da leckere, gesalzene Erdnüsse... die laufen nicht weg, wenn ich sie essen will... Ein Kumpel war vor Jahren auch mal auf so einem Überlebenstrip. Wohl mehrfach Rambo Teil 1 bis 3 gesehen, kaufte er sich natürlich das originale Ramboüberlebensmesser, ein Kompaktzelt, das zusammengelegt die Größe des Dudens hatte, ein Buch mit dem Titel „How to survive“ und verschwand für ne Woche im Wald. Wollte er zumindest. 3 Tage später war er wieder da, ausgehungert und kräftig durchgefroren.

Der Besuch heute in der Turnhalle zu GE war auch so was wie Überlebenstraining. Wenn ich irgendwann mal meine Serie reißen lasse, wird das das 1. Spiel auf das ich verzichten werde. Miese Akustik, seltsame Zuschauer, die auch bei einem Baseball-Spiel in den USA sitzen könnten, jedes Jahr wieder, wahrscheinlich sind es immer die gleichen. Vieles von dem Drumherum hat mit Fußball nichts zu tun. Das schlimmste ist, wenn man sich noch länger vorm Stadion aufhalten muß, weil man vielleicht noch überzählige Karten loswerden muß. Was einem da an Schwachmaten über den Weg läuft, unbeschreiblich. Beispiel gefällig ? Ich halte 4 Stehplätze Gästeblock in die Luft. Ein typischer Schalker in Trikot und mit Schals um den Arm geknotet kommt auch mich zu. „Was kosten die ?“ „Das was draufsteht, aber die Karten sind nichts für dich, Gästeblock“. „Dann steck dir die Karten in den Arsch !“ Manchmal bin ich zu gutmütig, er hätte sicher Spaß gehabt... Punkte gab’s natürlich auch keine, auch wenn wir dank der Schalker Unfähigkeit uns abzuschießen, fast noch zum Ausgleich gekommen wären. Chris hatte wohl auch keine Lust mehr und hat sich früher freigenommen. Das einzige was mich heute freut: nun hat Schalke das Problem Albert Streit am Hals. Der arme Kerl, vom Trainer völlig unverstanden. Scheinbar hat der Schalker Manager beim Wechsel Streits von Frankfurt nicht ganz aufgepasst. Murmeltiertag...


30.08.2008 VfL Wolfsburg – SGE 2:2 (Stadion Wolfsburg, 23.150 Zuschauer)

Normalerweise beachtet der gewöhnliche „Coffee to go“-Nutzer eher den Inhalt seines Pappbechers. Sie werden ausgetrunken, weggeworfen, vielleicht plattgetreten. Ein langes Leben hat er nicht, der gemeine Pappbecher. Und doch ist er längst ein Statussymbol. Er zeigt nämlich, dass ich keine Zeit habe, dass ich viel beschäftigt, dass ich auf dem Sprung bin. Der Kaffeebecher steht für unsere Leistungsgesellschaft ! Denn in jenen Gefäßen, für die einige Diplom-Designer jüngst ihre große Leidenschaft entdeckt haben, schwappt ein Lebensgefühl: der „Coffee to go“ ! Meist umgibt ihn weiße Pappe, auf der dann das Rösterlogo prangt, oder braune mit Bohnenmuster. Designer aber bringen diesen Gebrauchsgebenstand nun in die Vitrine: „100 Cups“ (100 Becher) heißt das leicht skurrile und bisweilen satirische Projekt, das nun gern auf Reisen geschickt werden würde. Den „Always-2-nd-Cup“ (Immer der Zweite) im Deutschland-Trikot mit der Rücknummer 13 von Michael Ballack gibt es, den „Narcist's Cup“ für Selbstverliebte mit einem kleinen Spiegel daran oder auch den „Hurry (C)Up“ („hurry up“ = beeil' Dich), der aus zehn Löchern leckt und daher schnell geleert werden muss. Oder aber der absolute Renner: die Tasse „Weck den Wolf in dir“, mit leicht angegrautem Pelz verkleidet. Verkauft sich wie geschnitten Brot. Soll wohl so was wie eine neue Vereins-Philosophie der VW-Fußball-Sparte sein, denn geweckt werden muß hier noch einiges. Aber ob das mit Kaffee geht ?

Der gute Felix, in unseren Kreisen bestens bekannt, schmeißt mit Unterstützung des Autowerkes von nebenan Geld aus dem Fenster wie andere Kamelle an Fassenacht. Raus kam dabei eine Art Weltauswahl, aber in Wolfsburg interessiert es fast keinen. Zuschauerzahlen unwesentlich höher wie sonst, warum machen die so was ? Die VWler wissen doch selbst, wie man sein Geld besser investiert, ansonsten einfach mal beim Betriebsrat nachfragen. Außerdem hat das mit den verschiedenen Sprachen auf der Arbeit schon damals beim Turmbau zu Babel nicht funktioniert. Unsere Buben haben sich mehr als ordentlich präsentiert, was man nach dem Rumpelstart nicht unbedingt erwarten konnte, allerdings ein mit 2 Verletzten auch sehr teuer bezahlter Punkt. Irgendwie kann ich mich in Wolfsburg an keine anderen Ergebnisse als Unentschieden erinnern, die Spiele kann man sich getrost sparen. Hervorheben sollte man nur den frei zugänglichen Biergarten hinter der Heimtribüne neben einem See, der hat einen Sonderpreis in der Kategorie „Newcomer“ verdient.


24.08.2008 1.FC Köln – SGE 1:1 (Stadion Müngersdorf, 50.000 Zuschauer)

Ein Spezial-Einsatz-Kommando (SEK) der Eintracht hat am Mittag gegen 15.05 Uhr die Kölner Stadtgrenze übertreten mit dem Ziel der Belagerung von zentralen Plätzen im Kölner Stadtgebiet. Unterstützt dabei von hessischen Exilanten im Kern der heimischen Fußballszene handelte es sich um etwa 5000 Personen, bei denen zuerst die Erstürmung der hiesigen Regierungsgebäude vermutet wurde. Zwei Männer wurden festgenommen.

Die Festnahmen wurden von einem Sprecher des Landeskriminalamtes (LKA) in Düsseldorf bestätigt. Offenbar wollten die beiden Festgenommenen sich im so genannten hessischen „Heiligen Krieg“ (Had-Dschi) mit Apfelwein übergießen und anzünden. Entsprechende Bekennerschreiben fand die Polizei inzwischen in ihrer Wohnung. Bei den Personen soll es sich um deutsche Staatsbürger mit hessischem Migrations-Hintergrund handeln, die bei Fehlschlagen ihrer Aktion vom nahem Flughafen mit dem Flug 1899 nach Kuba flüchten wollten, entsprechende Flugtickets wurden bei den Personen gefunden. Beide sollen der sogenannten Handkäs-Gruppe zugehörig sein, unbestätigten Meldungen zufolge sollen die Personen seit Monaten beobachtet worden sein.

Der Rest der Gruppe fand sich dann überraschend gegen 16.10 Uhr auf den Rängen des Stadions im Stadtteil Müngersdorf ein und wohnte einem Spiel der Fußball-Bundesliga bei mit dem Ziel der Unterstützung einer weiteren hessischen Gruppierung mit den Namen „Eintracht Frankfurt“. Bei dieser Gruppe, die ausschließlich auf dem Rasen agierte, handelt es sich um eine Fußballmannschaft, deren Ziele nicht klar zu erkennen sind, zumindest zeigte sich bei ihren Aktionen eine etwas diffuse Vorgehensweise sowie fehlende Homogenität, die in einem Leistungsabfall einiger Teile der Gruppe begründet war. Der von den Rängen geforderte Austausch einzelner Personen wurde nur in Teilen vollzogen, weshalb streckenweise Unmut aufkam. Im Stadion waren noch weitere Personen anwesend, die nicht den hessischen Gruppierungen zuzuordnen waren, die jedoch im weiteren Verlauf der Ereignisse vernachlässigt werden konnten und lediglich von Zeit zu Zeit ihren Unmut über die Hessen zum Ausdruck brachten. Auf dem Rasen kam es zeitweise zu kleineren Auseinandersetzungen, die jedoch im Ergebnis unentschieden endeten, so dass die hessischen Gruppen ohne größere Vorkommnisse den Heimweg antraten. Zuvor wurden allerdings einige verdächtige Subjekte der Gruppe filmisch erfasst um bei einem zukünftigen Einsatz einen schnelleren Zugriff zu gewährleisten.


09.08.20008 SC Pfullendorf - SGE 0:3 (Waldstadion Kasernenstraße, 7.500 Zuschauer)

Das schöne an der 1. Runde des Dfb-Pokals ist ja, das man regelmäßig auf irgendwelchen Dörfern antreten muß. Immer wieder ne schöne Abwechslung vom Ligaalltag, hat was von Europapokal. Der geneigte Hopper ist meistens dann auch noch glücklich, wenn das Ziel der Reise einen neuen Ground mit sich bringt. In der Dfb-Tombola waren dieses Mal allerdings nur 5 unbesuchte Orte für mich zu finden und mit Pfullendorf gab es einen dieser Orte. Pfullendorf liegt nicht weit weg vom Bodensee und hat außer Fußball und einem Küchenhersteller nicht besonders viel zu bieten. Dieser Küchenmogul hat dem Stadion auch seinen Namen aufgedrückt. Außerdem gibt's hier einen Ortsteil mit dem Namen Bethlehem, allerdings mussten wir weder nach Fremdenzimmern oder offenen Ställen Ausschau halten und auch nicht einem Stern folgen, sondern folgten zuerst mal der Kelle eines der Vasallen des Herodes, der uns zum nächsten Parkplatz geleiten wollte. Da wir wichtigeres zu tun hatten, konnten wir mit guten Argumenten die Sperre passieren und folgten dann doch einem Stern, allerdings war der auf dem vor uns schleichenden Gefährt.
Nach einiger Zeit konnten wir unseren Esel namens Mazda am Stall des Stadions abstellen und mussten feststellen, dass das nahende Großereignis dem einen oder anderen schon stark zugesetzt hatte. Kann auch die lange Sommerpause gewesen sein, denn manch einer hatte zuviel vergorenes Obst genossen oder sich in der Auslage eines Damenbekleidungsgeschäftes bedient. Einige Herren ließen sich in der Verfassung auch nicht lange bitten und schwörten unsere Götter in ihrem Hotel auf das kommende Spiel ein, wobei sich Herr Fenin hier besonders beeindruckt zeigte, denn diese Form der "alkoholova eskapada" ist auch in seiner Heimat selten.

Der Gästebereich war ziemlich gut gefüllt, aber auch etwas seltsam gebaut, so dass die Sicht stark eingeschränkt war. Da unsere Götter schnell klar Schiff gemacht hatten, konnte man sich mehr der Kontaktpflege widmen, denn nach der langen Pause gab es einige lustige Geschichten auszutauschen von vergangenen Touren und dem letzten Laktat-Test Caios. Über das Spiel gibt es sonst absolut nix wichtiges zu berichten, so ging es mit schnellen Schuhen zurück zum Esel und weiter in die Prärie, wobei wir lange suchen mussten um auf dem Rückweg noch was Essbares zu finden. Als auch das geschafft war, konnte der restliche Heimweg angetreten werden, der aber nach kurzer Fahrt fast schon wieder beendet gewesen wäre. Und nicht nur unsere Fahrt, sondern unser ganzes Leben, da vor uns ein Ureinwohner mit seinem Auto auf der Autobahn ein kleines Lagerfeuer angezündet hat. Das Adrenalin reichte für die ganze Rückfahrt und mitten in der Nacht tauchte dann irgendwann auch das lang ersehnte Ortsschild der Heimat auf.


10.05.2008 FC Schalke 06 – SGE 1:0
(Arena Auf Schalke, 61482 Zuschauer)

Meistens stelle ich mir für längere Fahrten mit dem CD-Brenner eine CD mit meiner Lieblingsmusik zusammen. Oft rockig, manchmal auch Schlager. Bisher klappte das problemlos, aber gestern akzeptierte die Anlage im Auto den selbst gebrannten Silberling nicht. „Keine CD“, stand auf dem Display. Seltsam. Ob es daran lag, dass ich von den silberfarbenen Rohlingen zu goldfarbenen gewechselt hatte? Ich erstellte schnell eine silberne CD – die funktionierte. Wieder eine goldene – nichts. Eine weiß bedruckte – auch nichts. Konnte es sein, dass mein Brenner schuld war und eigenmächtig eine Auswahl traf? Dass er meinte, silberne CDs seien besser und wertvoller als goldene oder weiße ? Er sollte doch wissen, dass sich keine einzige dieser Scheiben ihre Eigenschaften aussuchen konnte. Eigentlich glichen sich alle diese CD-Rohlinge ? Vielleicht war der Gerätehersteller ein Ewiggestriger, der an die Überlegenheit silberner Rohlinge glaubte.

In gerechter Empörung nahm ich eine weiß bedruckte CD, polierte sie sorgfältig und platzierte sie im Brenner. „Hör doch mal", sagte ich ihm in beruhigendem Tonfall, "du kannst doch nicht einfach andersfarbige Rohlinge ausgrenzen. Das hatten wir doch schon mal.“ Ich startete mein Brennprogramm, das meldete nach zehn Minuten "Brennvorgang auf CD OK“. Ab in den Player der Stereoanlage und – wieder nichts. Ein unerwarteter Geistesblitz brachte mich dazu, die untaugliche CD bei meinem Nachbarn zu testen. Problemlos wurden die bierselige Tankard-Mucke gespielt. Und damit war der Übeltäter ertappt: Mein eigener CD-Spieler selektierte CDs nach Farben! Ich entschuldigte mich förmlich beim Brenner, hielt mit einem vierarmigen Kerzenständer eine halbstündige Mahnwache und bildete in gerechter Empörung eine Ein-Mann-Menschenkette vorm Wohnzimmerspiegel. Es konnte und durfte nicht sein, dass goldene und weiße CDs als unwert galten und alle wegsahen. Hier war der Aufstand der anständigen CD-Brenner gefragt. Natürlich könnte man es sich einfach machen und jetzt sagen, was soll’s, es sind doch bloß CDs. Aber es fängt immer im Kleinen an, der Teufel wechselt das Gewand, dann ist es zu spät und hinterher waren eigentlich alle dagegen und im Widerstand. Im passiven. Irgendwann wird hinter vorgehaltener Hand abschätzig über weiß bedruckte und goldene CDs getuschelt, dann spuckt man auf sie und weiter möchte ich gar nicht denken. Ich sehe schon die Aufdrucke auf den CD-Player-Verpackungen: “Nur für silberfarbene CDs!“ Soziale Kälte, wie sie im Buche der Unmenschen steht. Und nirgends ist Asyl in Sicht für weiße und goldene CDs, die bestimmt auch ihren eigenen Wert haben und allein deshalb ignoriert werden, weil sie anders sind.

Soziale Kälte auch heute, überall zog sich das wie ein roter Faden durchs Universum. Da wird ein verdienter ehemaliger Frankfurter Spieler aus dem Stadtteil Bonames behandelt wie ein Aussätziger, obwohl er seine Gesundheit für den Verein fast ruiniert hat und dabei ist er doch nur gewechselt wegen der neuen Kultur und weil er eine neue Sprache kennenlernen wollte. Oder der Polizist in Köln, dem man keinen PKW zur Verfügung stellen kann und der seine Strafzettel auf einem Fahrrad schreiben muss. Da fährt man zu Tausenden in diese Halle um zu verhindern das dieser sympathische Club in der Nähe von Dortmund ganz in die Hände der russischen Gasmafia fällt und was ist der Dank ? Eine Niederlage. Wo soll das noch alles hinführen ?


03.05.2008 VfB Stuttgart – SGE 4:1
(Neckarstadion, 55500 Zuschauer)

Was war das wieder eine Woche... erschreckt sah ich, dass es schon wieder einen Feiertag gab... Himmelfahrt und 1. Mai in Einem. Da ich zur Mehrheit der Deutschen gehöre, zu den Nicht-Katholiken, ging mir Himmelfahrt natürlich am Arsch vorbei. Was mich wirklich schwitzen ließ, waren die Temperaturen die der Zentralgobi alle Ehre gemacht hätten. Aber kaum klangen die Nachwirkungen dieses Schocks langsam ab... wurden meine Rufe nach Erleichterung nicht wirklich erhört. Normalerweise dauert es ja nicht lange, bis der Wind bläst wie Gina Wild in ihren besten Tagen, die Temperaturen Herbstniveau erlangen und es Regen immer wieder dann gibt, wenn man ihn am wenigsten gebrauchen konnte...Heute aber nicht, schwitzen war weiter angesagt.

Was macht man bei solchem Wetter? Richtig! Man sitzt im Schwimmbad und bruzzelt oder sitzt gemeinsam zu Hause im Schatten, singt alte Volkslieder, bläst die Blockflöte oder sägt aus Sperrholz lustige, kleine Hampelkobolde. Wer nicht so gut im Blasen und Hobeln ist, sieht stattdessen fern oder geht ins Internet. Ersteres wird immer schwerer, wenn man auf ein wenig Niveau wert legt. Zwar wird nach 22 Uhr darauf aufmerksam gemacht, dass bestimmte Sendungen erst für Personen ab 16 oder 18 Jahren geeignet sind, aber der Hinweis, dass die meisten Sendungen die geistige Gesundheit und Urteilsfähigkeit des Zuschauers gefährden fehlt natürlich völlig! Der Entschluss, ins Internet zu gehen, scheitert bei etwa 75% der Leute, weil diese keinen Zugang zum Internet bzw. gar keinen Computer haben... arme, glückliche Schweine! Was macht man also...? Ins Stadion gehen oder man geht in ein nahe gelegenes Biergeschäft, ordert beim Meister des Zapfhahns ein frisches Bier und grölt mit den anderen mehr oder minder besoffenen Fußballliebhabern bis einem die teergeschwärzten Lungenflügel aus dem Rachen hängen. Das man dies derzeit nicht gerade besonders gerne für unsere Götter tut, liegt am mangelnden Niveau ihres Spiels. Wie alt sind die eigentlich im Durchschnitt... 45!? Wenn nicht, so spielen sie im Moment wenigstens so. Bald ist ja auch der nächste Feiertag mit Fronleichnam, vielleicht bereiten die sich auch schon auf die Prozession vor, das Spieltempo war jedenfalls ähnlich. Wesentlich mehr Elan zeigte da ein Teil des Gästemobs auf dem Frühlingsfest nebenan und beim Begrüßen der Cannstatter Kurve, zumindest habe ich selten so viele verschwitzte Gesichter gesehen. Die Stimmung war trotzdem gut, da es während des Spiels nicht viel zu jubeln gab wurden mal wieder die alten Kämpen von Bein bis Stein gefeiert. Aber auch hier geht es nur um die goldene Ananas. Auf dem Rasen ist das deutlich zu sehen, schade das eine geile Saison so ausklingt, aber vielleicht kommt so der eine oder andere wieder auf den Boden der Realität zurück. Besser ist das....



12.04.2008 Hannover 96 – SGE 2:1
(Niedersachsenstadion, 38104 Zuschauer)

Liebes Tagebuch !
Heute Morgen, als wir gemütlich im Bett lagen, setzte sich meine Herzallerliebste plötzlich energisch auf, ließ ihren Blick prüfend über meine Rundungen schweifen und sagte: „Scha-atz...“ Ich wusste aus Erfahrung, wenn Sie dieses spezielle Wort zweisilbig betont, hat das gewöhnlich unangenehme Folgen für mich. Und ich musste wieder einmal Recht behalten.
„Scha-atz, du bist zu dick“, erklärte meine Herzallerliebste entschieden. „Du hast ziemlich viel Übergewicht!“ „Über Gewicht spricht man nicht“, erwiderte ich eisig und drehte mich mit dem Rücken zu ihr. Ich hoffte, damit wäre die Diskussion beendet, aber ich glaubte selbst nicht daran. „Du glaubst das doch selbst nicht“, sagte meine Herzallerliebste, „dass damit die Diskussion beendet ist. Ich möchte jetzt über dein hervorstechendstes  Merkmal sprechen: Über deinen Bauch! Der ist nämlich ziemlich groß!“ „Nicht so groß wie der, den du haben wirst, wenn du einmal schwanger bist“, replizierte ich und lachte herzhaft über meinen gelungenen Scherz. Tja, ich war schon unglaublich schlagfertig. Meine Herzallerliebste auch. Ich holte aus der Küche Eiswürfel, wickelte sie in ein Handtuch und kühlte damit mein langsam zuschwellendes rechtes Auge. Meine Ehre stand auf dem Spiel; ich musste mich mit ganzem Gewicht einsetzen, sie davon zu überzeugen, dass ich nur an einigen wenigen Kör¬perstellen ein wenig... äh… von meiner jugendlichen Eckigkeit eingebüßt hatte. Kein leichtes Unterfangen, aber ich wusste Rat. „Ich passe noch immer in die Hose, in der Du mich vor zwei Jahren kennen gelernt hast!“ Zum Beweis holte ich meine Lederjeans aus dem Kleiderschrank hervor und schlüpfte ohne Schwierigkeiten hinein! „Ha! Jetzt bleibt dir aber die Spucke weg!“ Meine Herzallerliebste wirkte tief beeindruckt. „Super! Und jetzt steig auch mit dem anderen Bein rein...“

Irgendwann klingelte dann der Wecker und befreite mich aus diesem Alptraum. Im Badezimmer betrachtete ich im Spiegel mein Körperprofil. Also gut, um ehrlich zu sein, wo einst ein schlanker Jüngling herausblickte, glotzte mich jetzt immer noch ein Mensch mit Hang zum Michelin-Männchen entgegen. Die Diät macht schon Sinn, Frühstück fällt etwas schmaler aus als früher, auch wenn ich Auto das Gefühl hatte, die Verkehrsmeldungen nicht richtig zu hören, weil mein Magen so laut knurrte. Wenigstens lenkte mich die Vorfreude aufs Match ab; ich formulierte schon einige Ideen für den Spielbericht für euer heißgeliebtes Kloblättchen, und das hatte Gott sei Dank absolut nichts mit Nahrung zu tun. Die Buchstaben begannen vor meinen Augen zu tanzen. Zeitweise verlor ich fast das Bewusstsein, wurde aber kurz nach der Ankunft wieder putzmunter als vom nebenanliegenden Volksfest ein Duft herüberwehte von allerhand Sachen die man frittieren und braten kann. Das Spiel bot wenige Highlights, wieder mal eine dieser unnötigen Niederlagen. Erwähnenswert war eigentlich nur die wieder mal gute Vorstellung auf den Rängen und was mich riesig gefreut hat war die Tatsache, dass ich einen Bekannten traf, den man bis vor paar Jahren regelmäßig bei den Spielen getroffen hat und der nun in Neuseeland Orchideen züchtet. Geniale Sache, sollte ich mir mal drüber Gedanken machen. Aber erst wenn die Schmerzen am Auge weg sind....


29.03.2008 Bayer Leverkusen – SGE 0:2
(Ulrich-Haberland-Stadion, 22500 Zuschauer)

Eigentlich gelten diese Zeilen allen intelligenten Menschen. Da alle intelligenten Menschen zuweilen ein gerüttelt Maß Zynismus verspüren, treffen diese Worte auch auf dich zu. Etwa nicht ? Dann gehörst du keinesfalls zu meiner Zielgruppe. Verpiss dich! Lies auf keinen Fall weiter, du widerlicher Gutmensch, du Klopp !

Du liest ja immer noch. Dabei habe ich extra diesen Absatz eingefügt, um zögerlichen Kunden wie dir die Entscheidung zu erleichtern. Du bist also ein Zyniker. Eines dieser ekelhaften, menschenverachtenden, ewig nörgelnden, alles kritisierenden, schwarzmalerischen Wesen, die unverblümt lachen, wenn Schlagersänger ihrer ehrlichen Arbeit nachgehen, die Schwiegermutter auf Ihrem Türvorleger eine Sonne schießt und sich das Steißbein bricht – „Jeden Montag wird das Treppenhaus gebohnert. Ich dachte, du wüsstest das...“ – oder aufgetakelte Sekretärinnen – „Ich bin administrative Assistentin!“ – mit ihrem Pfennigabsatz in einem Gitterrost am Nachbarhaus stecken bleiben und der Schwerkraft die Treppe hinunter folgen. Oder auch Benny Köhler aus 3 Metern mal wieder keinen Möbelwagen trifft und Spycher oder Ochs die nächste Flanke wieder hinters Tor prügeln. Bist du auch enttäuscht, wenn nach dem ohrenbetäubenden Kreischen zweier Bremsen kein erlösender Knall folgt? Fragst du Bullen, ob Schnauzbärte Teil ihrer Uniform sind? Gehst du im Osama-Bin-Laden-Kostüm zur Jahreshauptversammlung der National Rifle Association? Ja? Dann fühle dich umarmt! Ich liebe Dich! Weil du ein besserer Mensch bist. Weil du, wie fast jeder Zyniker, ein desillusionierter Romantiker bist, jemand, der das Licht gesehen hat, jemand, der eine Vorstellung davon hat, wie wundervoll dieser Planet sein könnte, wäre er nicht von uns bevölkert. Ich meine damit natürlich weder dich noch mich, sondern die aufgetakelte Yuppieschlampe, die an der Supermarktkasse vor dir steht und ihr Päckchen kalorienarme, das Zahnfleisch pflegende und Karies bekämpfende, Nikotingeruch beseitigende Kaugummis mit der Kreditkarte bezahlt, obwohl die Schlange endlos ist. Als du endlich dran bist, ist selbstverständlich die Bonrolle alle.

Und weil auch ich ein solcher Zyniker bin, glaube ich grundsätzlich nie an einen Sieg in Leverkusen, genauso wenig wie an einen vernünftigen Geisteszustand bei Lothar Matthäus. Und manchmal passiert es dann doch, der Schiri pfeift schneller ab als das Gegentor fallen kann. Nein, es war sogar verdient und statt einem Gegentor zu fangen machen wir selbst noch eins. Mal wieder ne richtig geile Party im Gästeblock, auch noch lange nach Spielende. Leider hatten wir noch einen wichtigen Termin zur Ortsbesichtigung in einer belgischen Friture, deshalb ging es schnell zur Autobahn und mit einem verträumten Blick auf das in der Abendsonne glänzende Bayer-Kreuz gen Osten. Romantisch....


15.03.2008 KSC – SGE 0:1
(Wildparkstadion, 29348 Zuschauer)


Wahnsinn, was heute wieder unterwegs war. Und damit meine ich nicht unsere Autobesatzung, bei der wir Kollege Uwe mal wieder auswärts begrüßen konnten. Nein, es waren Massen an Polizisten unterwegs. Ziemlich heftiger Auftrieb, in der letzten Zeit habe ich manchmal das Gefühl das wir Fußballfans Testobjekte sind für den nächsten Transport einer Ladung Castor-Behälter. Ganz unberechtigt war es ja nicht, man kennt ja unsere Klientel. Normalerweise findet ja der Transport von Fußballfans meistens in Zügen statt. Und das Besondere dabei ist, dass die transportierte Fracht sich eigenständig wehrt, die Polizei kann also ordentlich unter Wettkampfbedingungen trainieren. Zusätzlich gibt’s hier auch Leute mit Einstellungen wie: "Ich bin nur einen Steinwurf entfernt" oder "Meine tägliche Hygiene erledigt der Wasserwerfer", so dass auch Fortgeschrittene ordentlich gefordert werden. Nur wer hier einen klaren Kopf behält, wird erfolgreich sein, eine kurze Pause zum Joint-Drehen kann fatal sein. Sitzblockaden, Einbetonierung oder Blumenverteilen könnten hier der allerletzte Ausweg sein. Nur wer diese harte Schule erfolgreich durchsteht, hat mal gute Chancen, einen Castor-Transport zu bewachen.

War ja dann nachher doch alles ganz friedlich, was sicher auch am Spielverlauf lag. Ich habe mir geschworen, nicht mehr über Benni Köhler zu lästern, weil er einfach guten Fußball spielt, auch wenn er so torgefährlich ist wie ich in meinen schlechtesten Zeiten. Wenn er es allerdings wäre, würde er wohl aber nicht mehr bei der Eintracht spielen. Während des Spiels ein kurzer Raucheinsatz und danach ein gut durchdachter Abtransport. Was ich sensationell fand: Im Pufferblock zur Tribüne nur ein Banner der „Gaggenauer Löwen“ und direkt dahinter der Block der Polizei. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt... Ansonsten ein Fußballspiel in allen seinen Facetten zu genießen, ist eine wunderbare Sache. Für einen Fan allerdings unmöglich. Wer bestimmten Aktionen des Gegners einen ästhetischen Wert zuspricht, gehört in die VIP-Loge. Oder hinters Kommentatoren-Pult. Aber nicht auf die Tribüne. Es gab da einen im Kader des KSC, dessen Aktionen hatten rein gar nix mit Ästhetik zu tun, wir nennen ihn mal MF oder auch Motherf.... , der es unseren Jungs angetan hatte, im wahrsten Sinne des Wortes. Eigentlich mag ich ihn und würde mir wünschen, dass er mit Soto mal unsere Innenverteidigung bildet. Ich garantiere euch, wir bekommen nie wieder ein Tor. Höchstens mal eins von Diego aus 50 Metern, weil er sich nicht über die Mittellinie traut...


02.03.2008 HSV – SGE 4:1
(Volksparkstadion, 53787 Zuschauer)


Hamburg ist ja immer ne Reise wert, nur fand die Megasause dieses mal am Tag (oder besser Nacht) vor dem Spiel statt. Verschlagen hatte es uns ins Albers-Eck, in dem wir die Ehre hatten, die gleiche Luft atmen zu dürfen wie der König der Auswanderer Konny Reimann. Unsere illustre Reisegruppe hatte gleich einen guten Platz gefunden in Schlagweite der Bar mit Blick auf alles wesentliche wie Bar und Straße. Die Party kam etwas langsam in Gang weil manche Leute, insbesondere die Thekenkraft, mit der Frankfurter Freundlichkeit nichts anzufangen wusste. Bier gab’s trotzdem und nachdem Benni bei Jung und Alt das Eis zum Schmelzen brachte, wurde die Gruppe und der Spaß immer größer. Als Junge vom Land hatte ich noch
etwas Probleme mich in der großen Stadt zurechtzufinden, deshalb wusste ich auch nicht recht damit umzugehen als mir eine fremde Frau ein Bier ausgeben wollte. Benni verstand es jedoch erstklassig die nette Dame zu trösten und war dann auch für den Rest des Tages nicht mehr zu sehen, er tauchte erst kurz vor Anpfiff wieder frisch geduscht auf. Für uns ging es dann nach dem obligatorischen 5-Uhr-Samstag-Nacht-Döner Richtung Nachtlager am Stadtrand von Hamburg. Da die S-Bahnen am Wochenende die Nacht durchfahren ist das ja auch kein Problem. Blöd nur wenn die Endstation der S-Bahn auf einmal 2 Stationen später kommt und man einschläft. Da wenigstens ein halbwegs nüchterner Mensch noch dabei war ging es dem Herzkasper nahe noch rechtzeitig raus.

Der Spieltag lief dann dank ordentlich Atü auf dem Kessel etwas zäh und im Stadion dachte ich mir die ganze Zeit: etwas ist schiefgelaufen. Obwohl, eigentlich ist das untertrieben, genauso wie wenn man eine Hinrichtung als gesundheitsschädlich bezeichnet. So blicke ich mit flachsender Begeisterung der Sache an sich beim Niedergang zu. Ich sage mal so und mal so, ab und an wiege ich verdächtig den Kopf hin und her und blicke lächelnd drein. Ja lächelnd, nicht zornig, denn um zu zürnen bräuchte es etwas oder jemand, dem mein Zorn gilt. Zornig sein gilt nicht! Fröhlich sei der Mensch, qualvoll, naiv. Was tun? Es sonnt sich die Welt und das jetzt bald auch wieder oben ohne, da es ohnehin keinen mehr berührt, was oder wer da so in der Gegend rumhängt. Die Dünnhäutigen sollen mal bloß die Fresse dicht- und die Augen zuhalten, ohne dabei Zuhälter der Moral zu spielen. „Augen zu und durch“, so fasst es der Volksmund treffend zusammen oder „Wer nicht hören will muss fühlen“. Ich sitze also mal wieder im Stadion und freue mich am glücklichen Elend, das vorüber flaniert, stolziert und paradiert, frage mich, ob stolzieren nun wirklich von Stolz kommt und flanieren von Flennen? Klar ist das nicht so begeisternd, wenn man ne Klatsche bekommt, auch wenn die unnötig war, aber es ist auch nicht der Untergang des Abendlandes. Passiert leider manchmal. Man muss auch den Keeper nicht gleich teeren und federn, entscheidend ist, was man draus macht. Bin froh dass Kollege Uwe nicht anwesend war, der wäre wohl am liebsten auf den Platz gerannt und hätte Oka den Kopf vom Hals gebissen. Ich glaube, wenn Uwe Petrus an der Himmelspforte wäre, dann würde Oka freiwillig in die Hölle gehen. Viel mehr ärgert mich, das ein geiles Wochenende so aufhört.



02.02.2008 Hertha BSC – SGE 0:3
(Olympiastadion, 35.930 Zuschauer)


Die Winterpause ist langweilig. Deshalb habe ich eine Geschichte geschrieben. Die ist ganz ganz toll. Wirklich. Das sagen sogar meine Freunde. Die anderen sind nicht mehr meine Freunde. Es ist eine lustige Geschichte, zwar eine kurze, aber dennoch sehr lustige Geschichte. Zwei Seiten lang. Fast. Darin geht es um ein Wochenende bei mir und was mir da so alles passiert. Zum Beispiel wie ich zum Auswärtsspiel fahre und da seltsame Leute treffe. Das war total lustig. Aber ich schreibe darin auch über das, was wir so unterwegs reden. Eigentlich darf ich das doch nicht erzählen, aber es weiß ja keiner, der die Geschichte liest. Nur meine Freunde. Aber die erzählen ja auch alle, obwohl sie es nicht dürfen. Meine Mutter wusste es auch nicht. Aber sie hat dann gemeint, dass es eine sehr interessante Geschichte ist. Dann hat sie mir eine gewischt.  Das ist echt voll lustig, wie ich über das schreibe, was wir so unterwegs reden. Zum Beispiel hab ich geschrieben, dass die Anni jetzt nicht mehr mit dem Mirko geht, weil Ihre Freundin gesagt hat, der ist so doof. Jetzt geht die Anni mit dem Alex. Der ist nicht so doof, sagt ihre Freundin. Wie ich das aufgeschrieben habe, musste ich andauernd lachen so lustig war das. Weil der Alex eigentlich viel doofer ist als der Mirko. Und am Ende des Absatzes in der Geschichte habe ich deswegen noch 'Haha.' hingeschrieben, damit es auch sicher alle verstehen, dass der Alex doofer ist als der Mirko. Haha. Oder dass der Benni Köhler blöder ist als die anderen.

Aber meine Geschichte ist nicht nur lustig. Man muss sie schon ein paar mal durch lesen um alles zu mitzubekommen. Da ist sogar  ein Satz drin mit einem Fremdwort ! Damit nicht jeder Doofling die Geschichte versteht. Ich hab einfach den Duden aufgeschlagen und auf ein Wort getippt. Ich nahm den Zeigefinger weg und dann stand 'olfaktorisch' da. Das heißt 'den Riechnerv betreffend'. Stand darunter. Falls ihr es nicht wisst. Und dann hab ich das Wort in meine Geschichte eingebaut. Hat echt gut gepasst, weil nämlich der Berni in Berlin einen fahren lassen hat. 'Das war total olfaktorisch bei uns in Berlin.' hab ich geschrieben. Voll schwer. Aber ich will ja ein richtiger Schriftsteller sein. Und die machen das so. Da war noch einer, der sich die ganze Zeit über ein paar Spieler beschwert hat und den Trainer auch. Ich hab ihm gesagt: Geh mir nicht auf meinen Olfaktor ! Das war total lustig und ich hab mir fast Pipi in die Hose gemacht. Der hat ja keine Ahnung ! Die Eintracht hat auch ein paar neue Leute geholt. Mama meinte, der eine wäre der Enkel von Pan Tau. Pan Tau fand ich schon immer klasse, der konnte mit seiner Melone so tolle Sachen machen, und sein Enkel hat mit der Leder-Melone auch klasse Sachen gemacht, 3 Mal hat er ins Tor getroffen ! Was waren wir alle froh. Feiern war aber nicht, mein Olfaktor war grippal infiziert.

Aktualisiert am
13.05.2017
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