22.12.2010  Alemannia Aachen - SGE 6:4 n.Elfm. (DfB-Pokal, Tivoli Neu, 32.160 Zuschauer)

Wenn man 2 Tage vor Weihnachten zum Fußball aufbricht, dann hat das meistens mit einer gepflegten Hopping-Tour zu tun, dieses Mal ruft allerdings der DfB-Pokal dank der grandiosen Terminierung des DfB und des noch grandioseren Sieges unserer Magier gegen den HSV. Auswärtsspiel bei nem Zweitligisten ist für viele so was wie ein Freilos, aber zumindest mal ne gute Chance fürs Weiterkommen und eventuell mal wieder für spätere internationale Einsätze. Als ich mit nem Kumpel letzte Woche so über die Personalsituation philosophiert habe, da war mir das Pokalspiel sogar wichtiger als die Bundesliga, fürs Weiterkommen hätte ich sogar auf die Punkte gegen den BVB verzichtet.

Nun geht’s also in den Vorhof des Pommes-Paradieses. Aachen ist ein relativ unspektakuläres Städtchen, die Älteren werden sich vielleicht noch an die Kaiserkrönungen erinnern können, während die Jüngeren Aachen eher aus den Nachrichten kennen weil es da eine JVA mit gelegentlichen Ausbrüchen gibt und man dort in Müllcontainern gerne auch mal streng geheime Daten der Telekom findet. Ansonsten scheint die Stadt nur aus dem Dom zu bestehen wenn man den Stadtführer studiert. Vor kurzem hat man sich ein neues Stadion neben das alte gestellt, in dem wir heute bei arktischen Temperaturen antreten dürfen. Trotzdem war unsere Reisegruppe relativ früh vor Ort, so dass es zum Schutz vor der Kälte ins Schuh-Outlet gegenüber vom Stadion ging. Mein „Weihnachtsmann“ war ja früher Al Bundy, den es in Wirklichkeit ja eigentlich gar nicht gibt. Allerdings scheint man als realer Schuhverkäufer generell missmutig drauf sein zu müssen, so dass ich glaube, Al Bundy gibt’s wirklich. Vielleicht war diese Serie früher aber auch keine Comedy, sondern Real-Satire ? Man weiß es nicht. Bepackt mit neuen Hausschuhen ging’s dann zum Auto und durch die Schneeberge rüber ins Stadion.

Ist das ein Winterchen, Kinder! So viel Weiß war vor Weihnachten selten und heute gab’s Nebel noch gratis dazu. Und das dollste: Trotz alpiner Verhältnisse in den deutschen Stadien gab es fast keinen Spielausfall! Sensationell, was die Rasenheizungen des 21. Jahrhunderts in Verbindung mit dem guten alten Schneepflug und den noch besseren und noch älteren Kehrbesen möglich gemacht haben. Und wenn die weiße Pracht allzu hartnäckig vom Himmel fiel wie die letzten Tage, wird oft einfach trotzdem gespielt. Wettbewerbsverzerrung: minimal. Und rote Bälle gehören eben zur Vorweihnachtszeit wie Geschenkehektik und Glühweindelirium. Vielleicht wäre eine Absage für uns besser gewesen, irgendwie hatten wir das Pech gepachtet heute. Gute Leistung trotz langer Unterzahl, aber Pfosten, Aachener Keeper und die Nerven von Alex Meier hatten was gegen ein Weiterkommen und so ging es raus ohne Applaus. Man hätte Aachen links liegen lassen sollen und nicht im Vorhof des Pommes-Paradies anhalten sondern den Schritt weitergehen… Nicht ohne meine Fleischspieße !

18.12.2010  SGE – Borussia Dortmund 1:0 (Waldstadion, 51.500)

Fast die halbe Saison ist absolviert und die bisherigen Überraschungsmannschaften machen immer noch keine Anstalten, Federn zu lassen. Wer hätte das gedacht? Schalke mitten im Nirgendwo, Mainz ganz oben, irgendwo dazwischen der FC Bayern. Das hat sich Franz Beckenbauer wahrscheinlich auch ganz anders vorgestellt, als er den Fußball erfunden hat. Und in der Tat, normalerweise wäre die Ansetzung dieses Spieltages so grau wie ein Samstag im Dezember überhaupt nur sein kann. Doch nicht dieses Jahr. Im „Jahr des Metall-Tigers“ (die Chinesen unter uns wissen bescheid) ist eben alles anders. Insbesondere unser Spiel gegen den BVB zeigt das ganze Ausmaß dieser Absurdität: Was sonst so aufregend klänge wie drei Folgen „Wetten dass…?“ am Stück (ohne Michelle Hunziker), ist heuer ein Topspiel, quasi das G2-Treffen der Bundesliga. Und das Duell hat’s auch voll in sich. Skibbe vs Klopp, aufstrebendes Team gegen den Spitzenreiter. Wenn da nicht unsere ganzen Verletzten wären…

Heute geht es nicht so sehr um die Tabellenführung (die ist erstmal fix), sondern auch darum, wer die coolste Sau im Trainerbiz ist, wobei Skibbe einen deutlichen Alters- und Erfahrungsvorteil hat. Kloppo hat seinen Erfolgskader frei nach dem Motto „Kinder an die Macht“ zusammengestellt. In Zusammenarbeit mit dem SOS-Kinderdorf Lüdenscheid-Nord hat der juvenile Jungtrainer in einem großangelegten Casting die Talente von Dortmunds Straßen geklaubt und bietet den Kids nun eine echte Alternative zu einem möglicherweise trostlosen Leben. Das Projekt „Borussia 09 statt Hartz 04“ hat eine ebenso illustre wie schlagkräftige Truppe hervorgebracht. Neben den gestandenen Spielern wie Stürmerstar Barrios, Alt-Faustballspieler Weidenfeller und Verletzungsfan Kehl stehen im Abwehrzentrum mit Hummels und Subotic zwei 21-Jährige ihren „Mann“, im Mittelfeld-Buddelkasten tummeln sich der kleinste größte Japaner Shinji Kagawa, Kinder-Hool Kevin Großkreutz, Antichrist Götze sowie Halbmond-Star Sahin. Sunnyboy Klopp erzieht seine „Kinder“ eher anti-autoritär, Fehler machen ist ausdrücklich erlaubt, nur lernen muss man daraus. Viel gelernt haben die Borussia-Boys in dieser Saison wahrscheinlich noch nicht, denn sie machen ja kaum Fehler.

Eigentlich hatte sich bei uns fast jeder die Frage nach der Höhe unserer Niederlage gestellt, aber wie so oft kam es ja anders. Skibbe der alte Fuchs hat die Zentrale clever vernagelt und so langsam bekam man das Gefühl das hier doch was gehen könnte. Der kompromisslose Theofanis Gekas hat ganz eindeutig diese angeborene Entschlossenheit, diese „Nicht unterkriegen lassen“-Einstellung. Bumms, Bumms, Bumms! So oder so ähnlich könnte sich das im Oberstübchen von Theofanis Gekas anhören. Wen man das kleine Knupperlmännchen so anschaut, vermutet man hinter der tristen Fassade eher einen Ziegenhirten in knochigen Olivenhainen oder einen Bauchladenverkäufer vor Karstadt. Aber nüscht is. Ein eiskalter Goalgetter, der die Fans heute zur Ekstase brachte. Ein Sieg, der auch viele Fragen hinterließ: Wie platt war Dortmund nach dem Europapokal? (Hopp-Hard-Schätzung: In etwa so wie ein Einstiegsgag von Mario Barth). Wie viel ist der Sieg wert? (Hopp Hard-Schätzung: Circa drei Punkte). Und: Geht jetzt noch was nach oben in die Europa-League ?

11.12.2010  1. FC Köln - SGE 1:0 (Müngersdorf, 45.000 Zuschauer)

Mann kann fast überall leben; in Hamburg, Cottbus, Braunschweig, sogar in München, aber in Köln? Das geht gar nicht, was eine Scheiße! Die ganze Stadt ist eng und laut, es gibt entschieden zu viele hässliche Kirchen und der Fluss sieht aus wie die Einfahrt zum Containerhafen Rotterdam. Mitten in die zugebaute Innenstadt drängelt sich dann der Dom, arrangiert wie von unten durch eine Betonplatte geschossen. Grauenhaft! Der Rest der Gegend ist City von der Stange: Rewe, Schlecker, Grillrestaurant Akropolis, Karstadt, Joop. Nicht weiter schlimm, so sieht es halt überall aus im Land der Bekloppten und Bescheuerten. In Köln kommt aber erschwerend hinzu, dass der behämmerte Ureinwohner sein grenzdebiles Kaff tatsächlich für eine scharfe Metropole hält und genau das macht den Aufenthalt in der Mediendeponie am Rhein so unerträglich. Es ist nicht diese 0815-Stadt, es sind die blöden Leute. Ein unerträglich von sich selbst eingenommener Menschenschlag, vulgär, laut, einfach unerträglich. Extra für diese Bratzen werden Primitivprodukte hergestellt, die es sonst - zum Glück - nirgends gibt. Ein Bier-Ersatz der nach Pisse schmeckt, von vagabundierenden Urinkellnern serviert, und eine Bekloppten-Musik in Eingeborenensprache. BAP, De Höhner, Bläck Föös, Hella von Sinnen, Karneval und Kölsch: So stelle ich mir den Eingangsbereich der Hölle vor. Der Kölner hingegen, nicht. Er hält das für normal. Was Wunder, er hat ja sein blödes Köln auch noch nie verlassen. Die höchste vorstellbare Form von Fremdheit und Exotik ist für ihn der Düsseldorfer. Konrad Adenauer, immerhin eine Zeit lang Bundeskanzler, hielt Berlin schon für Russland. Mehr ging eben in die rheinische Runzelrübe nicht rein.

Wie kein anderer Städter dieser Republik findet der Kölner nur gut, was aus Köln ist. Zugleich hält sich der Trampel aber für weltoffen und kontaktfreudig. Prost Mahlzeit! Diese Stadt überlässt man besser den Bekloppten, die es freiwillig dort aushalten. Wenn man den Kölner allerdings ärgern will, dann erzählt man ihm, man finde alles kölsche total klasse. Die Doofenmucke von BAP, dass jeder schwul ist, den Karneval, einfach alles. Aber am besten fände man das Altbier hier, das sei ja sowas von schweinelecker und würde zu der Stadt passen wie ein Arsch auf dem Eimer. Spätestens dann kann man sich rühmen einen Kölner als Feind zu haben. Genauso wenn man es wagt den örtlichen Fußballklub, auch EffZeh genannt, zu kritisieren. Seit Jahren in Personalplanung und sportlicher Darbietung weniger als mangelhaft fühlt man sich doch als Mittelpunkt des Fußball-Universums an der Grenze zum Größenwahn. Nach dem BVB hat Top-Manager Meier den 2. Verein fast in den Ruin geführt, was der gewöhnliche Zuschauer mit teils utopischen Ticketpreisen und Podolski-Zuschlag bezahlen darf.

An sich genug Motivation für alle, der Tag fängt im Block mit einer kleinen Choreo zu Ehren des Geburtstags der BS95 an. Vorm Stadion soll es bis auf kleinere Liebesbeweise der Fangruppen recht ruhig geblieben sein, im Stadion gab es dann umso größere Liebesbeweise von Seiten der Ordner. Man hat ja schon viel erlebt, aber das am Boden liegende und wehrlose Leute von Ordnern gestiefelt werden und Ordner Fans hinterm Zaun mit Sand bewerfen war mir neu, aber solange fahre ich ja auch noch nicht zum Fußball...:-)
Die Polizei fand es nicht ganz so lustig und knöpfte sich den einen oder anderen Ordner vor und bescheinigte den Eintrachtlern ordentliches Verhalten, auch das gibt’s. Auf dem Platz konnte man dem EffZeh sinnloserweise Aufbauhilfe leisten. Freut euch Kölner, auf einen Abramowitsch oder Titel könnt ihr trotzdem lange warten…

27.11.2010  FC Bayern - SGE 4:1 (Fröttmaning, 69.000 Zuschauer)

Das Leben ist voller Widersprüche. Zum Beispiel voller Widersprüche gegen Google Street-View. Davon gibt es eine knappe Viertel Millionen. Ungefähr so viele Stuttgarter sind auch gegen den dortigen Bahnhofsneubau. Eine Viertel Millionen, das ist Bundeswehrstärke. Hat sich in Deutschland etwa ein Heer von Revoluzzern, von Neinsagern und Verhinderern formiert? Angesichts Datteln, Gorleben und Google fragen sich deutsche Manager besorgt: “Wird es in Deutschland keine Großprojekte mehr geben, keine Endlager, nie wieder Konzentrationslager?”
Hopp Hard weiß, welche Pro- und Objekte noch auf der Abschussliste des neuen Widerstandes stehen:
Flughafenausbau Dortmund: Kein Mensch will nach Dortmund. Und die, die dort weg wollen, haben kein Geld zum Fliegen und können mit der Bahn schwarzfahren. Warum also mit unseren Steuern die westfälische Ödnis umgraben? Der Widerstand sagt NEIN.
Windkraftanlagen: Schluss mit der Verspargelung der Landschaft. Neben den schönen Hochspannungsmasten ist kein Platz für noch mehr Ständer. Wer sorgt für freien Flug der Zugvögel? Wer verteidigt niedersächsische Provinzdeppen gegen nervtötenden Schattenwurf? Der Widerstand, der Widerstand!
Alpen: Die werden abgeschliffen. Lange genug hat sich die Gruppo Toskana über Pässe und durch Röhren gequält. Kein Höhenmeter soll mehr München von Venedig trennen. Auch dafür kämpft der Widerstand.
Klimawandel: Sollen die Fidschis doch alleine ersaufen. Deutschland macht nicht mit bei der Hitzewelle. Wer lässt das Eisfach auf? Wer kühlt das Land? Der Widerstand, der Widerstand!
Fußball-Wahnsinn: Noch ein Stadionneubau, noch ein Millionen-Transfer, noch eine WM nach Schland. Damit ist jetzt Schluss. Die Bundesliga soll es nicht mehr geben. Fußball kommt nachhause – auf den Dorfacker. Und alle kicken mit und rufen: „Widerstand, Widerstand“.
München: Hobby-Diktator Louis „Feierbiest“ van Gaal ist der Meinung den Fußball neu erfunden zu haben und gibt der Beratungsresistenz eine neue Bedeutung. So langsam kommen auch die eigenen Leute drauf, besonders wenn die Ergebnisse nicht stimmen und rufen dann „Widerstand, Widerstand“.

Leider sind unsere Jungs mal wieder zu brav und wollten nur passiv Widerstand leisten und kamen selten aus ihrem Schneckenhaus raus. Die Leistung ist heute mal wieder ein Widerspruch an sich, fernab von Revoluzzern und Verhinderern, aber irgendwie passt das mal wieder zu unserer Truppe. Das einzige was wir verhindern ist ein gutes Spiel. Lässt sich aufgrund der bisherigen Saison aber ganz gut verschmerzen und irgendwie hat man das ja auch erwartet, wir sind ja auch gute Menschen und helfen anderen wo wir können wieder auf die Füße. Stimmung war im Schlauchboot wieder mal nicht vorhanden und wenn ich an diesem Wochenende nicht so viele seltene Gesichter gesehen hätte wäre es völlig fürn Arsch gewesen. Gibt’s eigentlich ne Fußballversion von Dinner for one?

13.11.2010  Werder Bremen - SGE 0:0 (Weserstadion, 34.000 Zuschauer)

Bei Spiegel Online war neulich zu lesen, dass U.S.-Präsident Obama dem Autohersteller Toyota Vorwürfe wegen des Rückrufs von 8 Millionen Autos macht. Jeder Autohersteller hat eine Verpflichtung, wenn es um öffentliche Sicherheit geht, so zitiert Spiegel den mächtigsten Mann der Welt, es müsse schnell gehandelt werden, und weiter: „Wir wissen bislang nicht, ob das bei Toyota geschehen ist. Das wird untersucht werden.” Was auf den ersten Blick wie eine billige Retourkutsche (nicht Reiskutsche…) für Pearl Harbor wirkt, ist bei genauerer Analyse ein Beweis für Obamas umsichtige und verantwortungsvolle Amtsführung, deren Einflussbereich nicht hinter dem eigenen Gaspedal endet. Diese Einschätzung kann mit weiteren klugen Ratschlägen Obamas an andere internationale Adressaten belegt werden, in einer diplomatischen Note an den neuerdings Uran anreichernden Iran mahnte er: “Wir wissen nicht, ob die Zylinderkopfdichtungen an den Zentrifugen 1414, 1415 und 1416 turnusgemäß erneuert worden sind. Das wird mit einer Cruise Missile überprüft werden! “. Auch Europa blieb nicht verschont, so erkannte er bei Werder Bremen bei einigen Spielern fehlende Einstellung, fehlender Hunger und Einsatzbereitschaft sowie Mannschaftsdienlichkeit. Namen wurden dabei nicht genannt, aber er empfahl den dringenden Rückruf der Fußballer und Überarbeitung der Module.

Voll des Lobes war er indessen über unsere Truppe. „Diese Leute sind ein Teil von mir. Und sie sind Teil von Deutschland, eines Landes, das ich liebe“, legte Obama in dem persönlichsten Teil seiner Rede dar. Ein Lob wie Donnerhall, fast so wichtig wie vom Kaiser oder von Imperator Loddar. Nach den letzten Wochen konnte man sich hier wirklich was ausrechnen nach jahrelangen Demütigungen gegen die Werderaner, die erst in der letzten Saison beendet werden konnten. Aber so richtig rund lief außer der Uhr heute nix, höchstens vielleicht noch der eine oder andere im neuen Gästeblock weil die Sichtverhältnisse wegen Tribünen links und rechts sowie Säulen eine Katastrophe ist.

Ohne Tore ging’s wieder zurück ins Exil nach Hamburg, aber da war heute trotz der Autonomen-Demos wenig los, auch mit den Linken geht nix mehr. Beim Bier vor der Flora konnte man mal die Gedanken schweifen lassen. Neulich hat jemand behauptet, diese Postille sei als Beitrag zur Fankultur gedacht. Das war und ist himmelschreiende Heuchelei. Ich wollte nur nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen. Was ich möchte, ist Aufmerksamkeit. Ich möchte Klicks und Verkaufszahlen ! Ich möchte Werbung platzieren und Geld verdienen. Ich möchte einen stinkreichen Mäzen, der nach zwei Flaschen Rotwein meinen PayPal-Account erfragt. Frauen sollen sich den Cappuccinoschaum von den Lippen streichen und zu ihren Freundinnen sagen “Hopp Hard“ ist so supi, können nicht alle so sein wie „Hopp Hard“. Ich möchte Agenturchefs, die ihre Lieblingstexter feuern und mich zu ihren ambitioniertesten und lukrativsten Projekten einladen. Chefredakteure, die den Abdruck meiner Pamphlete vermelden. Verlegerinnen, die mir den Schlüssel für ihr Chalet am Luganer See mit ihrer Telefonnummer zuschicken. Außerdem möchte ich mehr Frieden, Walschutz und dass der Bauer von nebenan erst nach 8 Uhr mit der Arbeit anfangen muss.
 

30.10.2010  FC St. Pauli - SGE 1:3 (Millerntor, 24.330 Zuschauer)

Zum 1. Mal seit langer Zeit rief wieder Deutschlands Sündenbabel Numero Uno zum Fußball. Da dies einigen doch Wallungen verursachte war die Situation an der Kartenfront sehr angespannt. Laut Aussage des Kartendealers meines Vertrauens das schlimmste Spiel in den letzten Jahren… Dank einiger cleverer Winkelzüge und vermutlich „manipulierter“ Auslosungen waren dann genug Karten für eine nette Autobesatzung und unsere EFCler vor Ort vorhanden. Die geplante Anreise am Freitag ging leider aus diversen Gründen nicht und so ging es unter Protesten der Wiesbadener Fraktion mitten in der Nacht am Samstag früh los. Nach dem Zwischenstop Brechen („in“, nicht „zum“ !) war die Autobahn uns und die Hansestadt wurde relativ früh erreicht.

Der Treff mit unserer Vermieterin im Stadtteil Harburg klappte dann auch einwandfrei. Während Hoppe und Weller beim Kollegen Bundschuh im Altona nächtigten, hatte ich für Mele und mich ein Appartement gebucht, was so ziemlich eines der letzten verfügbaren und bezahlbaren war, da zeitgleich die Messe „Boot“ startete. War wohl auch nur deshalb noch verfügbar weil das Haus quasi noch im Rohzustand war, man die Farbe riechen konnte und an einem Wochentag hier wohl auch der Baulärm dein Freund gewesen wäre. Zusammen ging’s dann in Richtung Stadion mit einem Zwischenstop im Schanzenviertel. Das Viertel hat einen etwas zweifelhaften Ruf, Sternekoch Tim Mälzer hat sich hier niedergelassen und sicher auch seinen Teil zum Yuppie-Ruf beigetragen während hier eigentlich früher das Zentrum der alternativen Szene war. Die Wahrheit liegt wohl dazwischen, gelegentlich kann es aber schon sein, dass Schanzenbewohner spontan ein paar Lagerfeuer errichten. Dazu gibt es Feuerwerk und Marschflugkörper der Marken Beck´s und Astra. Natürlich hat da auch jemand was dagegen und zwar die Mutant Hero Turtels mit ihren Helmen, Schilden, Schlagstöcken, Räumpanzern und Wasserwerfern. Ziemlich unentspannt, die kleinen Freunde der Sondereinsatz-BePo, zumal sie doch der Grund für die Begeisterungsstürme sind, aber gehört halt dann dazu. Heute blieb jedoch alles friedlich und zu Fuß ging’s dann ans nahe Millerntor wo man kurz vorm Spiel mit „Im Herzen von Europa“ empfangen wurde im Stadion, schon mal sehr nett. Das umgebaute Stadion macht schon ordentlich was her, die neuen Tribünenteile sind ziemlich steil, bei weitem kein Einheitsbrei. Der Gästebereich ist obenrum eigentlich nur aus Stahlrohr, aber das bleibt ja sicher nicht so. Auf der alten Haupttribüne kann der kleine freistehende VIP-Bereich überzeugen, bei dem jeder untern Sitz ein Fass zum selberzapfen hat…

Das Spiel lief in der 1. Halbzeit nicht besonders gut, unsere SGE war in etwa so zurückhaltend wie Herr Kachelmann bei seinen Pressekonferenzen, glücklich ging’s mit 1:1 in die Kabine, aber in der 2. Halbzeit schlug unser griechischer Strafraum-Dämon wieder zu. Der nächste Auswärtsdreier, wer soll uns eigentlich noch schlagen ? Die Sonne scheint nicht nur bei Tag und Nacht, sondern uns derzeit aus dem Arsch. Der Support war dementsprechend gut, sogar auf beiden Seiten, nur diese elenden Politik-Transpis bei Pauli nerven eigentlich nur noch. Zusammen ging’s nach dem Spiel wieder zur Schanze in Oma´s Apotheke, in der wir allerdings erst nach einigen Diskussionen nen Tisch besetzen konnten, wobei das „besetzen“ leider wörtlich zu nehmen ist… Anschließend trennten sich unsere Wege, bei Mele und mir ging’s nur quer über die Straße an die Theke zum Fussi gucken, wobei sich der überaus nette Abend dann zu einem kleinen Contest entwickelte. Wie lange kann man an einer Theke sitzen ohne nach der Bestellung gefragt zu werden ? Nun, der gemeine Ratefuchs wird hier sicher sagen: nicht lange ! Aber nein, hier waren es auf jeden Fall 60 Minuten und wenn wir keinen Durst gehabt hätten wäre dieses lustige Schauspiel noch etwas weiter verfolgt worden… Irgendwann bahnte sich die Müdigkeit ihren Weg und Mele steuerte den Astra sicher nach Harburg, trotz des fehlenden Nogger-Riegels. Im Delirium zog das Sportstudio an mir vorbei… Du, ich hab geträumt der Oka war im Sportstudio ?


17.10.2010  1. FC Kaiserslautern - SGE 0:3 (Fritz-Walter-Stadion, 49.780 Zuschauer)

Ich bin ein Land-Ei, soll heißen, meine Familie und ich leben in bäuerlicher Gemeinschaft in einem kleinen Ort irgendwo im Rheingau-Taunus-Kreis. Hier rennen auf jeden Fall genug Schweine und ein paar Rindviecher rum. Ich bin nicht der Jüngste im Clan, zusammen mit Mama und meinen Geschwistern. Mama sagt immer dass man mich nicht so ganz ernst nehmen kann. Mama sagt immer, der ist mal als Baby aus dem Bett gefallen. Seitdem läuft das Uhrwerk nicht mehr richtig. Aber ich bin bloß ein wenig schusselig, ständig bin ich irgendwo verpflastert, weil ich entweder hinfalle, mich schneide oder sonst wie verletze. Mama sagt immer: „der braucht eine Brille, sonst passiert irgendwann mal was ganz Schreckliches“.
 
Im Herbst wurde immer geschlachtet. Das ist jedes Mal ein richtiges Fest. Ich mag es nicht, wenn die armen Schweine und Kühe gemetzelt werden, aber alle sagen ich soll mich nicht so anstellen, schließlich würde ich auch gerne mal ein Schnitzel, geräucherten Schinken oder Wurst essen. Stimmt… Jetzt war es also wieder soweit. An großen Haken hängen drei Schweine und zwei Rinder und warten darauf, zerkleinert, zerschnitten und verwurstelt zu werden. Alle wissen, was sie zu tun haben. Das sind keine Aufgaben für mich, dazu bin ich zu schusselig. „Du würdest dir nur alle Finger abschneiden und die Fußzehen gleich mit“ meinte Mama. Es gibt ja noch genug anderes zu tun. Alle sind guter Dinge, lachen und singen aus Leibeskräften, denn wenn die Arbeit geschafft ist, wird gefeiert.

Gelegentlich wird man aber auch mal zu anderen Schlachtfesten eingeladen wo man selbst als Gast nur genießen kann und nicht arbeiten muss. Als echtes Land-Ei habe ich mich natürlich riesig darüber gefreut, weil auch so viele Leute dabei sein wollten im Land von Schwartemagen, Saumagen und Hausmacher Blutwurst. Allerdings hat man doch nur die Gäste arbeiten lassen, die aber auch den verdienten Lohn abbekamen. Weitestgehend überragende Leistung, 3 Punkte, fast 10.000 Leute aus dem Hessenland auf der Tribüne hinterm Tor, ein geiles Bild vor allem beim gehaltenen Elfer von Oka. Danach war’s eindeutig und verdient und die Nachwuchs-Metzger hatten ihren Spaß. Aber beim Schlachtfest wie auch sonst gilt: es wird nix so heiß gegessen wie es gekocht wird…

03.10.2010  VfB Stuttgart - SGE 1:2 (Neckarstadion, 44.000 Zuschauer)

Und schon wieder geht’s zur Wasenzeit nach Stuttgart, was bei gutem Wetter und noch einer zusätzlichen Veranstaltung auf dem Wasengelände ein Mörderchaos erwarten ließ. Das hieß frühe Anreise, zusammen mit Thor ging es wegen einer Kurztour in die Schweiz sogar 2 Tage früher los, das sollte reichen. Zu den Großveranstaltungen kommen noch die aktuellen Unruhen wegen dem Neubau des Bahnhofs, so dass man gelegentlich das Gefühl hat die Chaostage wären in die Hauptstadt von BaWü verlegt worden. Schon seltsam, überall findet man’s cool, wenn etwas tiefer gelegt wird, nur in Stuttgart nicht. Dort versteht man bloß Bahnhof.

Deutschland blickt irritiert auf die Ortschaft "Stuttgart 21": Dort, im Südwesten des Vaterlandes, demonstrieren Tausende. Und es werden immer mehr. Sie tragen brennende Kerzen. Sie rufen: "Wir sind das Volk!" Bald werden sie die deutsche Einheit fordern. Und Reisefreiheit, aber nur oberirdisch. Es würde die Stimmung wahrscheinlich nur anheizen, wenn jetzt die Kanzlerin käme und den Menschen einen Tunnel voller blühender Landschaften verspräche. Im Augenblick wird nämlich dagegen protestiert, dass ein einziger Hauptbahnhof unter die Erde verlegt wird - und das ungefähr zu einem Preis, für den dasselbe jährlich mit 850 000 Deutschen passiert. Die Demonstranten sprechen deshalb von Geldverschwendung. Sie können nicht anders, sie sind Schwaben und die finden so etwas schlimm. Das ist eine regional ausgeprägte Mentalitätsdeformation. Anderswo verhält sich die Bevölkerung reifer und versteht die Verjubelung öffentlicher Mittel auch als individuelle Bereicherung, zumindest für einige. Wenn wegen solcher Geschichten jeder auf die Straße ginge und friedliche Revolution spielte, dann würde bald niemand mehr zum Arbeiten kommen und all das erwirtschaften, was der Staat zum Verplempern benötigt. Also sollten sich die Aufständischen lieber andere Sorgen machen: Der bisherige Kopfbahnhof gibt der Bahn noch ein Argument, ihre Züge ausgerechnet hier zum Stehen zu bringen. Die Gleise sind plötzlich zu Ende. Die künftige Durchfahrstation hingegen dürfte bewirken, dass Triebwagenführer mit Höchstgeschwindigkeit durch "Stuttgart 21" rauschen und lieber ein paar Extraminuten in aufregenderen Metropolen verweilen, etwa in Pforzheim, Karlsruhe oder Ulm.

Das perverse ist ja das das Ganze vor über 20 Jahren schon geplant wurde und dort auch schon fleißig informiert wurde mit Infobussen etc., da konnte man dann sehen was geplant wird. Und nun wo alle Verträge gemacht sind und Ja und Amen gesagt wurde fällt denen ein zu protestieren.... Wer zu spät nachdenkt den bestraft das Leben. So ähnlich sieht’s auch bei den Kickern aus, da werden die besten Spieler verscheuert, abgetakelte Altstars geholt und völlig überraschend bleibt der Erfolg aus. Uns soll’s egal sein, eine Klasse-Leistung liefern unsere Buben ab und nach längerer Zeit nehmen wir mal wieder nen Dreier mit. Dank uns wird mal wieder ein Trainer abgesägt, unser Ex-Kicker Jens Keller darf sich nun als VfB-Trainer versuchen. Dank seiner zweifelhaften Rolle beim Trainerwechsel kann ich ihm aber nur die Pest wünschen. Mir soll’s egal sein, und den Stuttgartern scheint eh der alte spuckhässliche Bahnhof wichtiger zu sein…


22.09.2010 Bayer Leverkusen - SGE 2:1 (Haberland-Stadion, 24.404 Zuschauer)

Nach den beeindruckenden Erfahrungen der letzten Saison im Gyros Palace war die Meute höchst motiviert und wollte frühzeitig vor Ort sein um dem Fleischspieß zu huldigen, mit dabei waren nach langer Zeit mal wieder mit Sobi und Ariane seltene Gäste, die aber aufgrund unserer Erzählungen aus dem Reich der griechischen Küche sehr gespannt waren. Relativ pünktlich ging es dann in Idstein los, allerdings war der Berufsverkehr dann nicht unser Freund und dank einiger Staus und wirrer Umfahrungsideen wurde es dann doch knapp bis zum Spiel, den Gyros Palace sahen wir leider nur aus der Distanz beim Vorbeifahren des Shuttle-Busses. Einer unserer Mitfahrer protestierte zwar lautstark, aber die Uhr tickte unerbittlich.

Am Block wurden dann zunächst ein paar bekannte Gesichter begrüßt, Karten wechselten den Besitzer und die üblichen Meckereien über die sinnlosen Leverkusener machten sich breit. Das Fußballunternehmen Bayer Leverkusen ist scheiße, das war schon immer klar. Warum? Diese Frage stellt sich heute leider immer seltener als sie es das noch vor zehn oder 15 Jahren tat. Vor allem Wolfsburg und seit Kurzem Hoffenheim sind damit beschäftigt, Leverkusen den Rang als “Unsympath der Liga” abzulaufen. Da wirkt einer, den man nicht leiden kann, aber schon viel länger kennt, plötzlich gar nicht mehr so schlimm wie einer, den man nicht leiden kann, an dessen hässliche Visage man sich aber noch nicht gewöhnt hat. Es darf jedoch nicht in Vergessenheit geraten, dass auch Bayer Leverkusen aus der gleichen Gülle ist wie die anderen beiden Werksvereine. Da nützt es auch nichts, dass man aus dem einst abfällig genutzten “Werkself” jetzt eine Imagekampagne zaubert. Warum also ist Bayer Leverkusen Scheiße? Man kann ganz vorne anfangen, man kann in der Mitte anfangen oder man kann dort anfangen, wo wir jetzt sind. Fangen wir also vorne an, es bleibt überall gleich Scheiße. Am Anfang: Leverkusen ist keine historisch gewachsene Stadt, sondern wie Wolfsburg nur aufgrund wirtschaftlicher Bedürfnisse zur jetzigen Größe angewachsen. Bekanntheit erlangt Leverkusen vor allem durch die Bayer AG und durch den Sportverein Bayer 04 Leverkusen. Erstklassig wurde Bayer Leverkusen erst 1979, bis dahin füllt ein dickes, fettes Nichts die Geschichtsbücher zu den Punkten Fußball und Leverkusen. Und das war es dann auch schon. Keine regionale Meisterschaft oder mal eine Finalteilnahme, keine wissenswerte Historie und auch keine Nationalspieler… In der Mitte: Niemand wusste von Leverkusen, bevor dieses schließlich in die Bundesliga aufstieg. Fans: keine. Zuschauer: auch keine. Leverkusen war in der Mitte seiner Zeit  Scheiße, weil es eine graue Maus ohne jegliche Spielkultur oder auch nur Daseinsberechtigung war, einfach pure Langeweile. Es krebste irgendwo in der Liga rum. Während man bei Mannschaften wie dem VfL Bochum oder dem Karlsruher SC vielleicht noch Sympathien à la graue Maus, die ums sportliche Überleben kämpft, aufbringen konnte, war in dieser Rubrik damals schon bei Bayer Fehlanzeige. Deshalb zog auch damals schon der Bonus des kleinen Underdogs nicht, denn der war Bayer nie. Heute: Heutzutage muss man Leverkusen Scheiße finden, weil sie es trotz des erfolgreichen Fußballs zu seligen Daum’schen Drogen-Zeiten und damaligen sportlichen Erfolg immer noch nicht geschafft haben, eine echte Fanbasis aufzubauen. Es scheint so, als sei alleine die Konkurrenz des 1. FC Köln schon ausreichend um dafür zu sorgen, dass es Bayer Leverkusen nun mal einfach nicht auf die Reihe bekommt, einen Fanstamm zu entwickeln. Und Freikarten kann man schließlich auch nicht unendlich verteilen, an Werks-Angehörige oder an Schulkinder der umliegenden Dörfer. Und wer einen größeren Fanstamm trotz diverser Rennen um die Meisterschaft über Jahre hinweg nicht geschafft hat, der wird das auch in Zukunft weder mit dem Scheißkäsen-Volkstribun Rudi Völler noch mit 10 Ballacks schaffen. Aktuell ist Bayer Leverkusen weiterhin scheiße, weil es einfach nichts an diesem Club gäbe, was ihn liebenswert oder zumindest bemitleidenswert machte. Und aus mehr als diesem künstlich aufgeblasenen Fliegerdrachen besteht Bayer Leverkusen nun mal nicht. Was also soll das sein außer einem ziemlich teuren Marketinginstrument? Dass wir das nicht aus den Augen verlieren, nur weil Wolfsburg und Hoffenheim jüngere Mitglieder der Bundesliga sind…

Alle Mühe hat man sich heute wieder mal gegeben um diesen Ruf zu bestätigen, anders kann man die Eingangskontrollen nicht bezeichnen. Im Rahmen des Hausrechts vielleicht gedeckt war das alles doch sehr realitätsfern, wenn man keinen Plan hat wie man vernünftig mit Fußballfans umgeht dann muss man es halt sein lassen und sich am besten auflösen. Das Spiel war wieder mal Nebensache und lief irgendwie wie immer… Gut gekämpft, aber trotzdem keine Punkte.

11.09.2010 Borussia M´Gladbach - SGE 0:4 (Borussia-Park, 45.315 Zuschauer)

Heute ist Jünter-Tag ! Das schwarze Vereinsmaskottchen lässt feiern und wird gefeiert. Das Zwischenfazit am Jünter-Tag bis zum Anpfiff unseres Spiels konnte sich sehen lassen: Scharen gutgelaunter Besucher jeglichen Alters, Vorfreude nach zuletzt guten Leistungen der Borussen und bestes Spätsommerwetter; alles war perfekt und sollte in der Familienkurve fortgesetzt werden, zu der die gesamte Südkurve umfunktioniert war. Jünter beschenkte seine kleinen Fans und wurde beschenkt: Einer hatte für ihn frisches Gras und auch Möhren mitgebracht… Manches Kind vom Niederrhein erlebte erstmals ein Fußballspiel im Stadion und befand sich gegen 15.30 h in einem Zustand, der nur durch ein allerdings unwahrscheinliches Zusammenfallen von Weihnachten und Ostern hätte übertroffen werden können. Dann freilich mutierte der Jünter-Tag zum Stümpertag, und mancher Erziehungsberechtigte eines Nachwuchs-Borussen mit noch formbarem Fußballgeist fragte sich, wie es zu verhindern sei, auf einmal einen Frankfurt-Fan mit nach Hause zu nehmen.

Nun, krisengestählte Eltern verfügen nicht nur über Nerven wie Stahlseile, sondern auch ein ausgeklügeltes Instrumentarium, das eine Niederlage (um nicht zu sagen: Debakel) in einen moralischen Sieg verwandelt. Und so erhielten die Kleinen eine Lehrstunde nach dem Motto "Siehst Du schon keinen Fußball, kannst Du wenigstens etwas über das Leben lernen". Lektionen gab es ja so einige. Z.B. bei der eigenen Mannschaft. Man kann Ruhe in der Hütte haben nach zuletzt guten Leistungen, für die es zurecht höchstes Lob gab, einen keineswegs übermächtigen Gegner vorgesetzt bekommen und eine schwarz-weiß-grüne Mauer der Unterstützung hinter Dir wissen, wenn die Einstellung nicht stimmt, verlierst Du trotzdem. Einsatz, Phantasie, Selbstvertrauen und Wagemut blieben nicht einmal Spurenelemente, und so folgte die Strafe auf dem Fuß, weil die Hausaufgaben nicht gemacht waren. Das ist ebenso zwangsläufig wie verdient. Außerdem ist es ja irgendwo tröstlich, dass sich Leistung gegen Nicht-Leistung durchsetzt… Eine weitere, vielleicht noch wichtigere Lehre ergab sich aus dem Verhalten des (aus Gladbacher Sicht) Nicht-Unparteiischen: Nicht in jeder Uniform steckt auch eine aufrechte Gesinnung. Der Schiedsrichter überzeugte durch eine bemerkenswerte Mischung aus Kleingeist und fahrigem Habitus, was pädagogisch gleich wunderbar genutzt werden konnte: kleine Kinder lernen, dass Rückgratlosigkeit im Amt eine Sekundärtugend ist, die besonders in solchen Organisationen ausgeprägt ist, in denen der Fisch vom Kopfe her stinkt. Als positiver Nebeneffekt kam hinzu, dass der Familienblock sich als fruchtbarer Nährboden für Vokabular darstellte, das etwa im Straßenverkehr unweigerlich von praktischem Nutzen sein wird.

Die dritte Lektion steht hoffentlich noch bevor: dass man nur dann wirklich blöd ist, wenn man denselben Fehler zweimal macht. Und so vermittelten manche Großen den Kleinen, dass man statt den Borussia-Schal aus dem Autofenster wehen zu lassen auch hessisches Volksliedgut trällern kann. Und so werden viele von den Kleinen deren Samstag durch Jünter zunächst so schön begann, die Gehirnwäsche verarbeiten und sich von der dunklen Seite der Macht abwenden, Benny und Theo sei Dank… Wenn unsere Magier in der Spur bleiben…

21.08.2010 Hannover 96 - SGE 2:1 (Niedersachsenstadion, 37.212 Zuschauer)

Wer sich moderner Kommunikationsmethoden bedient und eine Emailadresse besitzt, kennt das Problem unerwünschter Post. Meistens handelt es sich dabei um Werbe- und andere Spammails, die einen in der Regel nicht mehr groß vom Hocker reißen: Man liest sie und langweilt sich, eher noch löscht man sie ungelesen und ist erst dann so richtig genervt, wenn die unerwünschte Post Überhand nimmt und einem das Postfach verstopft. Als Gelegenheitsschreiberling kann man sogar eine gewisse Freude daran entwickeln, wenn man sich z.B. an der hundertacht-undsiebzigsten Methode zur Penisverlängerung ausrechnet, wie viel Meter man zusammen hätte, hätte man sich wenigstens jeder zehnten der angepriesenen Methoden bedient oder wenn man mal versucht einen Leistungsvergleich der angebotenen Viagra-Produkte zu erstellen.

Gelegentlich findet man neben den ganzen Kaufempfehlungen aber auch sinnvolle Dinge wie zum Beispiel Mitfahrangebote zum Spiel nach Hannover. Trotz der Tatsache das es das 1. Saisonspiel in der Bundesliga war, ließen sich die meisten auch mit billigen Versprechungen nicht locken, so war das Erstaunen groß das Leute freiwillig mitfahren wollten. Gab es dann doch eine vernünftige Besatzung, die heute gleich auch den 1. Sieg sehen wollte, denn wer soll uns nach der Vorbereitung eigentlich noch schlagen ? Wer Chelsea schlägt, für den ist alles andere als der Meistertitel eine Enttäuschung. Der Gästeblock war gut gefüllt, aber auch bald relativ ernüchtert, denn gut spielen alleine reicht nicht, vor allem nicht wenn man das nicht das ganze Spiel macht und dann noch nicht mal zielstrebig ist dabei. So kam es das der Abstiegskandidat Hannover ein Tor mehr schoss und die 3 Punkte behalten durfte.

Auch in unseren Fankreisen scheint man die Tage nicht unbedingt auf die Viagra- oder Penisverlängerungs-Angebote eingestiegen zu sein, der Motor stotterte zum Start noch etwas. Penisvergleiche mit der anderen Seite gab’s auch keine mangels Attraktivität und Angeboten, so ging’s ohne viel Tamtam wieder zurück in die Heimat zur After-Schlagermove-Party ohne Schlager, aber dafür mit Grillfleisch und Looping Louie. Für alle Freunde des gehobenen Sockenschusses und unverfälschter Psychiatrie in diesen Berichten heißt es noch warten bis zum nächsten Kick…


13.08.2010 SV Wilhelmshaven - SGE 0:4 (Jadestadion, 6.400 Zuschauer)

Das erste Highlight der neuen Saison steht ja immer schon recht früh ins Haus, dieses Mal wegen WM sogar noch früher. Die Tombola im DFB-Hauptquartier an der Schneise hat eigentlich meistens mehr Nieten im Pokal-Hut, aber dieses Mal meinte es die Glücksfee ganz gut, Wilhelmshaven im August, Sommer, Sonne, Strand. Hörte sich schon mal ganz gut an, die Vorfreude auf die neue Saison war in jedem Fall vorhanden nach einer soliden Vorbereitung und ganz passablen Neuverpflichtungen, aber die Wahrheit liegt ja immer auf dem Platz…

Zu dritt ging’s dann mittags los an den Busen, was in dem Fall nix perverses ist, sondern Wilhelmshaven liegt ja ganz nett an einer Bucht, dem sogenannten Jadebusen. Bei unserer Besatzung war auch eine junge Dame dabei, was ja an sich selten passiert, die sich aber in unserem Gefährt so wohl gefühlt hat, dass sie deutlich mehr alkoholische Getränke vernichtet hat als der Rest im Auto. Ausfälle gab’s aber keine, so dass ich von einem ordentlichen Training ausgehe. Frühzeitig waren wir dann vor Ort, die letzten Kartendeals wurden abgewickelt, ein paar Bekannten hallo gesagt und schon war man am Stadion wo sich ordentlich viele Gleichgesinnte eingefunden haben. Der komplette Block hinterm Tor war voll, es werden sicher 1500 Frankfurter gewesen sein, sensationell für Freitag abend am anderen Ende der Republik. Die Stimmung war gut, es gab eine sehr passable Choreo, allerdings musste man die ersten Minuten Angst haben von unseren Gastgeber aus der Regionalliga überrannt zu werden. Unsere Buben waren noch nicht richtig auf dem Platz, aber nach ner knappen Viertelstunde war Schluss mit lustig und der Favorit setzte sich souverän durch, unter anderem mit einem sehr geilen Freistoßtor von Tzavellas, einem unserer neuen Griechen.

Abends sollte dann noch im Pumpwerk die „Bembelbar“ stattfinden, zu der vom Stadionsprecher sogar hochoffiziell auch die Heimfans geladen wurden. Nach kurzer Überlegung und dem Tipp eines Kumpels wurde aber darauf verzichtet und es ging ins nicht weit entfernte Jever zum Altstadtfest. Für mich zwar ein leichter Gewissenskonflikt, da in der Nacht noch die Weiterfahrt zu einer Hoppingtour anstand, aber wir sind ja flexibel und auch das Auto ist ganz gemütlich wenn man sich mal ein paar Stündchen ablegen will. Das Fest ist der Knaller, Party all over in der Altstadt in deren Zentrum die Brauerei liegt, da war ich ganz sicher nicht das letzte Mal. Aber man muss Prioritäten setzen, kurz vor 1 ging es wieder auf die Autostrada… 

08.05.2010  VFL Wolfsburg - SGE 3:1 (VW-Arena, 30.000 Zuschauer)

Fußball spielen, Kopfballtraining, dumpfe Leere. Die Frage nach dem eigentlichen Ursprung, Fußballphilosophie. Phrasendrescherei. Und dabei wäre doch alles so einfach, denn "beim Fußballspielen verkompliziert sich alles erst durch das Vorhandensein der gegnerischen Mannschaft" (Jean-Paul Sartre). Ausweglosigkeit? Nimm‘ den Ball und schieß ihn zwischen die Pfosten, dabei nicht zu hoch und möglichst weit entfernt vom Torwart, die optimale Distanz zwischen dem Aluminium und dem zum Fangen bereiten Keeper führt zum Erfolg. Nur das Tor zählt, denn wer kein Tor schießt, kann auch nicht gewinnen. Das Runde muss ins Eckige. So einfach ist das. Aber: "Die annere kenne aach kicke" (Sepp Herberger). Was also nun?

Beistand von oben, der kann nie schaden. Die getauften Heiden bekehren sich zum Fußballgott, beschwören Fortuna und die Lederkugel. Irgendwie muss es klappen. Und wenn nicht, stell den Allerheiligen in die eigene Abwehr. Doch auch hier ist Vorsicht geboten, denn "an Gott kommt keiner vorbei – außer Libuda". Also: Ausschalten. Wegknippsen. Abgrätschen. Doch kann das alles sein? Was steckt dahinter? Wo ist die Geschichte dahinter? Wer, und vor allem: Warum? "Das Geheimnis des Fußballs ist ja der Ball" (Uwe Seeler), und dieser, das haben viele allzu spät gemerkt, ist bekanntlich rund. So läuft also der Hase, oder wenn es ganz gut läuft, sogar der Ball. Nämlich rund. Eine runde Sache also, wenn es denn läuft. Wenn da nur diese verdammten Regeln nicht wären, die immer wieder für Missverständnisse sorgen. Ein Spiel dauert halt nur 90 Minuten, selbst dann, wenn der Schiedsrichter auf Abseits entscheidet. Dieses entsteht nämlich auch erst durch das autoritäre Gebären des Mannes in schwarz. Abseits ist, wenn der Schiedsrichter... Lassen wir das. Denn was danach kommt, ist ja eh das Schönste. Die dritte Halbzeit, Stammtischakrobatik, promillegeschwängerte Steilpassvorlagen für altinternationale Wadenbeisser oder solche die sich so fühlen. Auch hier, Achtung: "Nach dem Spiel ist vor dem Spiel" (Sepp Herberger), und wer dieses nicht beachtet, wird schnell merken, dass das nächste Spiel eh immer das schwerste Spiel ist. Also immer ruhig mit den jungen Pferden, aber nicht zu kritisch, denn einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. Stabreimdichtung fürs ewige Buch der Fußballweisheiten. Nur einer scheint dem Ganzen noch nicht auf die Schliche gekommen zu sein. Aber Matze Sammer ist es zu verzeihen. Ursprung verpflichtet, vergiss‘ deine Wurzeln nicht und vor allem: Denk‘ daran, wo du her kommst. Denn dort, ja da ist das nächste Spiel halt immer noch das nächste. So einfach kann es eben doch sein. Zumindest wenn man schon im Vorschulalter lieber am Kopfballpendel als an seinen Teddybären gehangen hat. Fußball ist nur ein Sport. Es ist ein Spiel. Und ein Spiel braucht Spieler. Spieler wie Matze Sammer aus dem Osten. Denn der, der weiß was er ist: "Ich bin auch ein Mensch". Was für ein Glück.

Ihr merkt schon, das Spiel hat einen echt vom Hocker gerissen. Letztes Auswärtsspiel, Kader ausgedünnt, Saisonziel erreicht und das Spielen wurde teilweise eingestellt wie beim Duracell-Hasen nachdem der Akku leer ist. Nicht annähernd die Leistungen der Vorwochen, auch auf den Rängen war’s ziemlich träge. Aus der VFL-Kurve kam erwartungsgemäß wenig, interessant waren eigentlich nur die Zwischenstände von den anderen Plätzen. Der Gästebereich war zwar komplett voll, aber man widmete sich eher der Kontaktpflege. In diesem Sinn, Konfuzius sagt: nach dem Spiel ist vor dem Bier und wer Fußpilz hat soll Handball spielen.

24.04.2010  FSV Mainz 05 - SGE 3:3 (Bruchweg, 20.300 Zuschauer)

Die Mainzer Fernsehfastnacht geht in dieser Saison in ihr 55. Jahr - und mindestens ebenso alt sind zumindest nach Ansicht des ZDF die Zuschauer von "Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht". Eine traditionelle Sitzung, die sich vor allem an die Generation "50 plus" richte, hatte der zuständige Redakteur bei der Vorstellung des Programms angekündigt und damit umgehend für Diskussionen gesorgt, ob die Fernsehsitzung wirklich noch einen repräsentativen Querschnitt der Mainzer Fastnacht biete. "Die Mainzer Fastnacht ist anders", schimpfte etwa der Sitzungspräsident in einem Zeitungsinterview. Das Ergebnis des "50 plus"-Konzepts war ein paar Tage vorher bei der öffentlichen Generalprobe im Mainzer Schloss zu sehen: ein fast ausschließlich auf traditionelle Klischees ausgerichtetes Programm mit häufig eher altbackenen Vorträgen, während die jugendlicheren Elemente der Mainzer Fastnacht fast vollständig von der Bühne verbannt wurden. Die Reaktionen bei der Generalprobe waren eindeutig: Das Publikum wollte lieber jung und frisch als ewig-gestrig. Die wichtigstes Regel eines Fastnachtsvortrags war auch schon deutlich zu erkennen: Am Ende, d.h. vor der Pointe bzw. dem Moment, wo man Applaus will, muss man schneller werden und stärker betonen, damit der Pöbel weiß, dass jetzt geklatscht werden muss. Es reimt sich übrigens meistens alles. Hui, die politisch-literarische Fastnacht. Ganz schön kritisch. Muß aber auch sein, damit die Zielgruppe das alles rechtzeitig verarbeiten kann.

Scheinbar scheint sich das Problem in der ganzen Stadt breit zu machen. Auch die Fußballsektion des Zweitligisten, der gerade in der 1. Liga spielt kann sich davon nicht freimachen. Irgendwie alles schon mal dagewesen, nichts neues, immer gleiches Liedgut und sogar der Trainer kommt immer mehr als Kopie von Popo-Kloppo rüber. Intern scheint man auch von der ewigen Gute-Laune-Truppe mehr zu erwarten. Wenn unsere Jungs konsequent weitergespielt hätten, wäre es ein Debakel geworden für die Rheinland-Pfälzer und eigentlich kann man dem Land nur wünschen das mit dem FCK wieder ein vernünftiger Verein in die Bundesliga kommt, der etwas mehr Charakter zu bieten hat als die Bonbonwerfer. Wunderte mich nur, dass der Mainzer Trainer dieses mal sogar eine vertretbare Spielkritik geboten hat und sich nicht wieder über Schiri, Wetter oder sonst was beschwert hat. Mit so einer Leistung wird die Mainzer Vitrine jedenfalls nicht voller. Vettel rules !


09.04.2010  Borussia M´Gladbach – SGE 2:0 (Borussia-Park, 48.553 Zuschauer)

Rechts, links, vorne, hinten. Irgendwie hat ja jeder Fußballer seine Schokoladenseite. Wenn man diese verlässt, hat es meist fatale Wirkungen. Und sorgt für Gelächter beim Gegenspieler. Hat sich eigentlich schon mal jemand ernsthaft überlegt, dieses Dilemma zu überwinden ? Man kann als gestandener Fußballer eigentlich kaum noch sagen, wie oft es schon passiert. Da ist man auf dem besten Weg, das Tor des Monats zu erzielen, und dann hoppelt er doch noch weg. Der Ball auf der falschen Seite. Vorher elegant und geschmeidig, plötzlich ungelenk und bedauernswert. Nicht nur, dass die Motorik des Fußballers in grundlegenden Bereichen sowieso einiges zu wünschen übrig lässt, jetzt muss man auch noch mit dem falschen Fuß agieren. Eben noch den Torwinkel anvisiert und eine ausgefallene Jubelarie ausgedacht, jetzt ist man schon froh, überhaupt noch dran zu kommen. Von einem gezielten Torschuss mal ganz zu schweigen. Natürlich geht er vorbei, in der Regel kommt er nicht einmal so weit. Das kennt man bei uns ja nur zu gut.
Ein bekannter Sport-Psychologe hat nun das Phänomen des dominanten Fußes durchleuchtet. Und macht den Möchtegern-Maradonas neuen Mut. Der Schlüssel zum Erfolg liegt nämlich in der Musikalität. Nein, es geht nicht um "We Are The Champions" oder das Gegröhle bei Dorfclubs oder auf den Tribünen, sondern um seine Tochter. Bei der hat er nämlich beobachtet, dass sie keine bevorzugten Seiten bei ihren Gliedmaßen hat. Er schloss daraus, dass die Ursache hierfür im Klavierspielen liegt, dass seine Tochter seit frühester Kindheit betreibt. Andere Untersuchungen schienen ihm Recht zu geben. Selbst Musiker, die ein Streichinstrument spielen, seien danach asymmetrischer orientiert. Er hoffte das Klavierspielen ein symmetrisches Koordinationsverhalten schult.

Dass unsere Truppe nach dem heutigen Spiel letztlich doch nicht zum Nachhilfeunterricht in die Musikschule muss, verdanken wir wiederum unseren Verwandten, den Schimpansen. Die sind zwar viel öfter beidhändig orientiert, ergattern aber wesentlich mehr Futter, wenn sie sich schwerpunktmäßig auf eine Hand konzentrieren. Gleiches gilt für Fußballer: Ein Bein vermag oft mehr zu leisten als zwei. Das sagen zumindest die Wissenschaftler. Und beruhigen damit das schlechte Gewissen all derer, die das zweite Bein bisher höchstens als besseres Standbein benutzt haben. Trotzdem: Lernen könnte auch unsereins etwas von den Klavierspielern: Motivation, Disziplin, Begeisterung und Willen zum Üben. Nun, wenn es nur das ist, bin ich schon lange ein Abwehr-Beethoven. Flanken wie Maradona schlage ich trotzdem nicht. Sieht man ja auch bei uns auf dem Platz, aber irgendwie hat man das nach den letzten Wochen heute aber erwartet, vielleicht waren ja aber auch nur die Bananen schlecht.


26.03.2010  VFL Bochum – SGE 1:2 (Ruhrstadion, 24.221 Zuschauer)

Als Elfjähriger verdient man sich den Respekt Gleichaltriger nicht, weil man gerne liest, weil man Klavierspielen kann oder Astrophysiker werden möchte. Ein Junge in diesem Alter muss ein guter Fußballspieler sein. Wenn er das nicht ist, ist er auch nur mit anderen Jungs befreundet, die ebenso schlechte Sportler sind wie er selbst, und er gehört damit unweigerlich zur ersten Randgruppe seines Lebens.
Ich erfüllte damals sämtliche Anforderungen an eine Niete: Ich war etwas kräftiger und meine runden Füße wiesen mich als ungeeignet aus, einer der unmöglich einen Lederball köpfen konnte ohne größeren Schaden für sich oder seine Mannschaft. Zudem war ich grundsätzlich zu zauderhaft und hatte auch selten ein Gespür für jene taktischen Feinheiten, durch die vielleicht das eine oder andere körperliche Handicap ausgewetzt worden wäre. Selbst in den Sammelbildalben zu den Weltmeister¬schaften fehlten mir die wirklich guten Spieler, die Stars. Nie zierte ein Maradona mein Album, und Paul Breitner schnitt ich in meiner Not einmal aus der Zeitung heraus, damit ich wenigstens die deutsche Mannschaft vollständig einkleben konnte, ein ebenso verzweifelter wie fadenscheiniger Betrug.

Trotzdem trieb mich die Angst vor gesellschaftlicher Isolation immer wieder hinaus auf den Bolzplatz, meistens unmittelbar nach der Schule wenn sich die Streber daheim den Hausaufgaben widmeten und ich nicht in einem Überangebot an unfähigen Spielern unterzu¬gehen drohte. Die schwerste Demütigung lauerte jedoch schon vor Spielbeginn auf mich: Die Zusammenstellung der Mannschaften vollzog sich nach einem klassischen Ritual. Die beiden stärksten Spieler, die nicht im gleichen Team sein durften, wählten als Kapitäne abwechselnd aus den Umstehenden ihre Mitspieler aus. Je später man gewählt wurde, desto schlechter war man und wenn mein Spielführer mir mit einer gequälten Geste an¬deutete, das er mich aus purer Nächstenliebe in seine Mannschaft aufnahm, freuten sich unsere Gegner mit einem hämischen Lachen. Zu Beginn eines jeden Spiels flackerte noch ein mattes Flämmchen Ehrgeiz in mir, dann bemühte ich mich einige Male erfolglos um den Ball, bis mir meine eigenen Mitspieler genervt andeuteten, das ich nicht länger den Spielaufbau stören sollte. Bevor es also Beschimpf¬ungen hagelte, zog ich mich lieber vom aktiven Spielbetrieb zurück und begab mich direkt vor das gegnerische Tor. Als der Ball mir mit Wucht vor den Hinterkopf donnerte, hüpften meine Leute durch die Gegend wie Flummis, dann wurden sie komplett unscharf. Ich ging benommen zu Boden während meine Mitspieler jubelten „Tor, Tor !“. Das Leder war, von meinem Schädel abgelenkt unhaltbar am gegnerischen Torwart vorbeigerauscht.

Und genau wegen dieser Erlebnisse bin ich immer wieder auf diesem Bolzplatz aufgetaucht wie ich später auch immer wieder im Stadion an Orten aufgetaucht bin wo unsere Strategen jahrelang immer Punkte gelassen haben. So kann man mit einer Sternstunde nach 15 Jahren auch mal in Bochum wieder gewinnen, ich hoffe nur dass wir auch noch weitere Jahre in dieses geile Stadion und zum Chinamann fahren dürfen, aber die Punkte müsst ihr Bochumer woanders holen. Eine Sternstunde gab es auch auf den Rängen, der Gästeblock war kaum zu halten und bis weit nach dem Spiel wurde gefeiert. So was gab es lange nicht mehr und sogar die Mannschaft ließ sich nach dem Duschen noch mal blicken. So, und zum Schluss hoffe ich nur, dass auf Bolzplätzen nie die Abseitsregel eingeführt wird…


20.03.2010  SGE – FC Bayern 2:1 (Waldstadion, 51.500 Zuschauer)

Das Camp Waldstadion in Frankfurt war mit 51.500 begeisterten Fans restlos ausverkauft. Der Anhang von Frankfurt United peitschte sein Team unermüdlich nach vorne, denn dazu gab es allen Grund: 1:0 führte der FC Bayern München bereits seit der sechsten Minute, weil Schlitzohr Miroslav Basler Oka Schmeichel im Tor von United mit einem raffinierten Ball nach Abseits überlistet hatte. Als sich schließlich der Zeiger zum letzten Mal auf die Runde machte, um mit dem finalen Pfiff den Münchner Triumph zu besiegeln, nahm das Unheil seinen Lauf.

Abseits des grünen Rasens waren die Verantwortlichen bereits vorbereitet für die Stunde des Triumphs und den Sturm auf die Spitze. Doch Frankfurt gab dieses Spiel nicht verloren. „Wie von der Tarantel gestochen drehen die Frankfurter, die Hessensöhne, nun den siebten oder zwölften Gang auf“, hätte der legendäre Herbert Zimmermann wohl die Momente kommentiert, die ein Bundesland in Ekstase versetzte. Der Druck auf das Tor von Hans-Jörg Kahn wurde größer und größer. Frankfurt stürmte mit großem Kämpferherz dem Ausgleich entgegen und spürte: Hier geht noch was! Dann liefen die Schlusssekunden, in denen Marc Effenbergs Grätsche Frankfurt noch einmal eine Chance einbrachte. Und tatsächlich landete die Kugel irgendwie bei Pirmin Giggs, der das Leder bei seinem Schuss überhaupt nicht richtig traf. Gleiches galt für Juvhel Sheringham – doch genau diese Kette an verunglückten, ja verzweifelten Versuchen irritierte die Bayern-Abwehr dermaßen, dass die Kugel auf einmal im Netz zappelte. Für die Bayern war das der Anfang vom Ende. Auf der Bank konnte es Daniel Matthäus nicht fassen. 80 Minuten war er der Leader gewesen, der dem Spiel des Rekordmeisters die nötige Struktur verliehen hatte. Dann wurde er verletzt ausgewechselt. Derweil nutzte Frankfurt United die Konfusion der Bayern, erkämpfte Martin Solskjaer gegen David Kuffour einen letzten Ball. „Ist das ihr Moment“, orakelte der Sky-Fernsehreporter, als Martin Solskjaer loszog rechts im Strafraum. Kuffour ließ sich abschütteln, Solskjaer nagelte das Leder mit dem langen Bein aus 5 Metern an den linken Innenpfosten, 2:1! Jetzt stieg die Siegerparty – aber nicht für die Bayern! Schiedsrichter Michael Collina pfeift ab, die Bayern indes fielen vom Gelobten Land ins Tal der Tränen. Später betonte „Kaiser“ Franz Beckenbauer immer wieder: „Es ist ein Spiel, es war ein Spiel, und es wird immer ein Spiel bleiben.“

Aber was für eines! Wäre der Spielbericht ein Polizeibericht würde beim Bayernspiel normalerweise stehen: „Dann richtete er die Waffe gegen sich selbst“. Ich werde den Moment vor dem 2:1 nie vergessen. Atemlose Stille weil alle merken hier geht vielleicht noch was, und dann das Klatschen eines Lederballes auf einem Alupfosten und dann die Explosion, Ekstase. Solche unglaublichen Momente gibt es selten, vergleichbar vielleicht mit dem 5:1 gegen Lautern oder dem 6:3 gegen Reutlingen, aber dafür liebe ich diesen Sport und diesen Verein ! Wir sind ManU !


13.03.2010  Hannover 96 - SGE 2:1 (Niedersachsenstadion, 38.847 Zuschauer)

Als ob es nicht schon reicht dieser trostlosen Stadt zum Fußball seinen Besuch abstatten zu müssen so muss ich seit geraumer Zeit auch von meinem Arbeitgeber aus den einen oder anderen Termin dort wahrnehmen. Auch unsere Vertriebler sind regelmäßig verzweifelt wenn dort ein Termin ansteht denn außer dem leertrinken der Minibar im Hotel gibt’s da nix dolles. So ist man dort in der Stadt auch schon froh wenn die Bischöfin Käßmann im Suff bei Rot über die Ampel fährt, damit man mal etwas Abwechslung hat von der eigenen Tristesse und sich über jemand anders das Maul zerreißen kann. Erstmal können wir ja alle froh sein, dass sie evangelisch ist. Stellen Sie sich mal einen katholischen Bischof vor, der mit 1,5 Promille bei Rot über die Ampel fährt, wenn der blutjunge Polizist sagt: „Einmal blasen bitte“. Das gäbe ja furchtbare Missverständnisse.

Nun denn, der Besuch in der Depri-Stadt musste nicht alleine absolviert werden, dankenswerterweise waren Ulle und seine Freundin Marie mit am Start. Ein weiteres Auto war etwas später gestartet, wir waren relativ früh vor Ort. Der Verkauf einer überzähligen Stehplatzkarte gestaltete sich schon mal zum Highlight weil der Käufer nicht unbedingt der Schnellste war und ich Befürchtungen hatte ob er die Kaufabwicklung noch rechtzeitig vor Anpfiff schafft oder wieder in seine Schockstarre zurückfällt. Der Gästebereich war gut gefüllt und schwer motiviert, leider holperte es auf dem Platz etwas. Dank einiger Undiszipliniertheiten mussten völlig unnötig die Punkte in Hannover bleiben. Was sich der Herr Teber bei seiner 2. gelben Karte gedacht hat wird wohl sein Geheimnis bleiben. Ich hoffe ich muss diesen Typ ab dem Sommer nur noch in den Saisonrückblicken sehen. Während er defensiv noch einigermaßen erträglich ist, so sollte man ihm verbieten die Mittellinie zu übertreten, damit er keine Fehler machen kann und unser Herr Ochs sollte bei aller Qualität manchmal einfach die Klappe halten.

Liebste Schwester im Geiste Margot Käßmann, verzweifle nicht! Hopp Hard steht uneingeschränkt hinter Dir! Sind wir schließlich doch schon lange streitbare Verfechter der Ansicht, dass die Situation im Allgemeinen und die Kirche insbesondere nur noch im Suff zu ertragen ist. Zwar trägt uns die breite Masse der Kuttenträger in Kirche und Stadion (auf und abseits des Platzes) auch völlig nüchtern jede Menge Nonsens vor und meint das dann auch noch völlig ernst, aber wer in dem Laden noch einen Funken Verstand hat, kann nur zur Flasche greifen – bestenfalls. Ach ja, und wegen der Kopfschmerzen, Margot – weitersaufen hilft. Prost! Solidarische, aber sozialismusfreie Grüße,
Ihre Redaktion


27.02.2010  VFB Stuttgart - SGE 2:1 (Neckarstadion, 41.000 Zuschauer)

Man kann Fußball und andere Sportarten ernst nehmen - oder ernsthaft darüber lachen. Für letzteres sind wir auch zuständig. Unsere hochkompetente Redaktion liefert Einblicke und Eindrücke, die Sie so bislang nicht aus der Fußballwelt und dem Umfeld gekannt haben. Wir sagen Ihnen, wer im Abseits steht. Oder wer nach der Stadionwurst brechen musste. Sie werden zu den ersten gehören die es erfahren, vertrauen Sie Hopp Hard in Sachen Fußball und Leibesertüchtigung !

Ich will aber nicht verschweigen, dass diese Leistung in der heutigen Zeit nicht mehr leicht zu erbringen ist. Schon mal dran gedacht, einfach nicht hin zu gehen? Ich meine, mu

Aktualisiert am
13.05.2017
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